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Tankrabatt wirkt, Preise ziehen trotzdem wieder an

Tankrabatt seit Oktober da, doch Spritpreise ziehen schon wieder an: Was ADAC und Bundesregierung berichten und wie ihr mit der 12-Uhr-Regel sparen könnt.

Redaktion
·
2. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Der Rabatt ist da, die Erleichterung bleibt zurückhaltend

Wer in dieser Woche an der Zapfsäule stand, hat es vermutlich gemerkt: Der Sprit ist günstiger geworden. Zumindest kurz. Zum Start des neuen Tankrabatts waren die Preise spürbar niedriger — und trotzdem steigen sie jetzt schon wieder leicht an. Das kennt ihr vielleicht aus dem Frühjahr schon, als der erste Tankrabatt lief. Die Entlastung kommt, aber sie bleibt selten lange stehen.

Nach Angaben des ADAC sind die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise am ersten Tag des aktuellen Tankrabatts im Vergleich zum Vortag um rund 13 Cent gesunken. Ein Liter Super E10 kostete demnach im Schnitt 2,114 Euro, Diesel lag bei 2,262 Euro. Der ADAC hat die Mineralölkonzerne dabei wiederholt aufgefordert, die volle Entlastung durch die Energiesteuersenkung von rund 17 Cent auch tatsächlich weiterzugeben.

Warum der Rabatt überhaupt wieder da ist

Hintergrund ist der Iran-Nahost-Konflikt, der den Ölpreis auf dem Weltmarkt laut Bundesregierung um etwa 30 Prozent nach oben getrieben hat. Die Bundesregierung hat deshalb beschlossen, die Energiesteuer ein weiteres Mal um rund 17 Cent pro Liter zu senken — der Steuerrabatt gilt seit dem 1. Oktober bis Ende des Jahres. Schon im April hatte die Koalition einen ähnlichen Rabatt für Mai und Juni beschlossen.

Bundeskanzler Friedrich Merz begründete den Schritt damit, dass Menschen, die jeden Tag auf das Auto angewiesen sind, an ihre Belastungsgrenze kommen. Die Entlastung summiert sich laut Bundesregierung auf rund 2,5 Milliarden Euro, getragen jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern. 14 Cent je Liter gehen dabei auf die Energiesteuersenkung zurück, rund drei weitere Cent entfallen durch die niedrigere Mehrwertsteuer.

Kommt die Entlastung wirklich an?

Genau das ist die spannende Frage — und hier wird es ehrlich gesagt ziemlich unübersichtlich. Die Energiesteuer ist nur ein Baustein im Kraftstoffpreis. Wie sich die Preise an der einzelnen Tankstelle entwickeln, entscheiden weiterhin die Mineralölkonzerne und Betreiber selbst, abhängig von Rohölpreis, Transportkosten und regionalem Wettbewerb. Die unabhängige Monopolkommission und das Bundeskartellamt kamen allerdings zu dem Schluss, dass die Energiesteuersenkung im Mai und Juni weitgehend bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen ist. Der Tankrabatt hat damals seine Funktion erfüllt, Preisspitzen abzufangen.

Dass die Preise jetzt, kurz nach dem Start der neuen Rabattrunde, schon wieder leicht zulegen, zeigt aber auch: Verlass ist darauf nicht. Wer glaubt, der Rabatt werde dauerhaft eins zu eins an der Säule sichtbar bleiben, könnte enttäuscht werden.

Die 12-Uhr-Regel soll für mehr Durchblick sorgen

Seit dem 1. April gilt eine Regel, die zumindest für etwas mehr Vorhersehbarkeit sorgen soll: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Preissenkungen sind jederzeit möglich. Vorher änderten sich die Preise laut Bundesregierung im Schnitt bis zu 22-mal am Tag — für Pendlerinnen und Pendler war das kaum zu durchschauen. Bei Verstößen gegen die Regel drohen inzwischen Bußgelder bis zu 100.000 Euro, kontrolliert über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe im Bundeskartellamt, die die Preisdaten von rund 15.000 Tankstellen bündelt.

Ganz reibungslos läuft das offenbar noch nicht: Die Zahl der Abweichungen von der 12-Uhr-Regel ist laut Bundeskartellamt nach wie vor hoch. Das Amt hat zudem Verfahren gegen alle Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet und die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht gegenüber den Mineralölkonzernen verschärft.

Was das für euch im Alltag bedeutet

Die 12-Uhr-Regel bringt einen ziemlich praktischen Nebeneffekt mit sich: Wer vormittags tankt, hat tendenziell die besseren Chancen auf einen günstigen Preis. Dieses Prinzip hatten wir schon in einem früheren Beitrag zum Thema aufgegriffen, als der Tankrabatt zum ersten Mal lief — und es gilt jetzt genauso. Preisvergleich-Apps wie TankPilot oder Clever-Tanken zeigen in Echtzeit, wo in der Nähe gerade am wenigsten verlangt wird, und machen den Unterschied zwischen zwei Tankstellen in derselben Straße auf einen Blick sichtbar.

Wer durch Koblenz, entlang der Mosel oder Richtung Rhein pendelt, kennt das Gefühl: Die eine Tankstelle verlangt zehn Cent mehr als die andere, nur weil sie an der Hauptstraße liegt. Ein kurzer Blick aufs Handy, bevor man abbiegt, kann sich da ziemlich schnell lohnen.

Wie geht es weiter?

Der aktuelle Rabatt gilt bis Ende des Jahres. Die Bundesregierung kündigt zudem an, mit der Mineralölwirtschaft über einen möglichen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens zu sprechen, der spätestens zum 1. Januar 2027 kommen soll. Außerdem soll das Kartellrecht mit der zwölften Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen weiter verschärft werden, damit auch Preiserhöhungen bei Super Plus gemeldet werden müssen und die Marktaufsicht überhöhte Preise schneller erkennen kann.

Bis dahin bleibt vor allem eins: ein wacher Blick auf die Anzeigetafel, bevor man den Tankdeckel öffnet. Vielleicht ist es ja genau diese kleine Gewohnheit, die den Unterschied macht zwischen Ärger an der Säule und einem entspannten Weiterfahren Richtung Deutsches Eck.

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