
Die WHU verlässt Vallendar und zieht bis 2034 nach Düsseldorf. Wie die Region reagiert und was aus dem Campus an der Mosel wird, liest du hier.
Seit 1984 gehört die WHU – Otto Beisheim School of Management zu Vallendar wie der Rhein zu Koblenz. Jetzt steht fest: Die renommierte private Wirtschaftshochschule verlegt ihren Hauptsitz nach Düsseldorf. Bis 2034 sollen die Aktivitäten auf einem neuen Campus im Düsseldorfer Medienhafen gebündelt werden, wie die NRW-Landesregierung und die WHU gemeinsam mitteilten. Wer in Vallendar durch die Straßen geht, merkt schnell: Diese Nachricht hat eingeschlagen, und zwar nicht nur bei denen, die direkt mit der Hochschule zu tun haben.
Die WHU zählt aktuell rund 2.100 Studentinnen und Studenten an ihren beiden Standorten Vallendar und Düsseldorf, wie die Wirtschaftszeitung WELT berichtet. Düsseldorf ist dabei kein Neuland für die Hochschule – schon seit 2010 gibt es dort einen Nebensitz, der künftig zum Hauptsitz wird. WHU-Rektor Christian Andres sagte in Düsseldorf, das Ziel sei, beide Standorte bis 2034 zu vereinen. Wer in Vallendar ein Studium beginnt, soll es laut Andres dort auch abschließen können.
In Düsseldorf feiert man den Zuzug der international bekannten Business School. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach laut WELT von einem „echten Gewinn für unsere Hochschullandschaft“ und betonte die internationale Anziehungskraft Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller nannte den geplanten Campus ein Leuchtturmprojekt, das die Stadt für internationale Studierende, Talente und Unternehmen noch attraktiver mache.
Ganz anders der Blick von der Mosel aus. Der Vallendarer Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann betonte laut blick-aktuell.de, die Entscheidung werde sich auf Wohnungsmarkt, Einzelhandel, Gastronomie und die gesamte örtliche Wirtschaft auswirken. Von dem Umzug habe er eigenen Angaben zufolge aus der Presse erfahren – kein schöner Einstieg in eine Entwicklung, die eine ganze Kleinstadt betrifft.
Auch der Mayen-Koblenzer Landrat Marko Boos bedauert die Pläne, sieht aber noch Perspektiven für den Standort. Nach Angaben von blick-aktuell.de verweist er darauf, dass laut Pressemitteilung der Hochschule der Campus in Vallendar und der bestehende Standort in Düsseldorf bis auf Weiteres erhalten bleiben sollen. Boos setzt auf Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz, um die WHU zumindest in Teilen an die Region zu binden – schließlich sei die Hochschule ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des gesamten nördlichen Rheinland-Pfalz.
Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch bedauert die Verlegung ausdrücklich, sieht die Einflussmöglichkeiten des Landes aber begrenzt. Wie blick-aktuell.de berichtet, erhält die WHU als private Hochschule keine öffentliche Förderung des Landes – entsprechend gering seien die Hebel. Gespräche habe es im Vorfeld gegeben, die WHU habe jedoch keine Wünsche an das Land adressiert, deren Erfüllung zu einer anderen Entscheidung geführt hätte. Aus dem Ministerium heißt es, es handle sich um eine „interne unternehmerische Entscheidung“.
Die Gründe für den Umzug liegen auf der Hand, wenn man der WHU selbst zuhört. Rektor Andres sagte laut WELT, man brauche das Umfeld einer wirtschaftsstarken Metropole, um als Spitzenuniversität am Markt agieren zu können – und das finde man in Düsseldorf. Schon vor eineinhalb Jahren hatte die WHU ein Masterprogramm nach Düsseldorf verlagert, was einen deutlichen Zuwachs an Bewerbungen nach sich gezogen habe.
Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung WHU, Christoph Glaser, nannte Düsseldorf laut WELT „der richtige Ort, um als private Universität dem Markt zu folgen“. Hochschulen müssten stärker zu Knotenpunkten werden, an denen Studierende, Unternehmen, Forschung und öffentliche Institutionen zusammenkommen. Zur Finanzierung des Projekts ist laut WELT ins Auge gefasst, dass die Beisheim-Gruppe die Kosten übernimmt – getragen von zwei gemeinnützigen Stiftungen. Die Stadt Düsseldorf stellt das Grundstück bereit und erschließt den Standort; bis zum ersten Quartal 2027 soll das Grundstücksgeschäft abgeschlossen sein. Zur Gesamthöhe der Kosten gibt es bislang keine Angaben.
Die WHU hat sich international einen Namen durch bekannte Start-up-Gründungen aus ihren Reihen gemacht – Zalando, Flixbus und Hellofresh gehören laut WELT zu den bekanntesten. Genau dieser unternehmerische Spirit ist es, den manche an der Hochschule selbst jetzt bewahren wollen, während der Standort wechselt.
Mitten im Zentrum von Vallendar nutzt die WHU zahlreiche Gebäude, auch die historische Marienburg gehört dazu. Was aus diesen Räumlichkeiten wird, ist nach dem endgültigen Umzug nach Düsseldorf noch völlig offen, wie blick-aktuell.de berichtet. In der Stadt wird diskutiert, was aus der Marienburg wird und dass die Stadthalle seinerzeit bewusst groß gebaut wurde, weil man mit der WHU rechnete. Die Reaktionen in sozialen Medien reichen von der Sorge um einen Einbruch des Wohnungsmarkts, auf dem viele Studierende zur Miete wohnen, bis zur Hoffnung auf sinkende Mieten in der Kleinstadt.
Das Deutsche Eck ist nicht weit von Vallendar entfernt, und wer hier lebt, weiß: Eine Institution, die vierzig Jahre lang zum Stadtbild gehört hat, hinterlässt keine Lücke, die man einfach zuklappt. Die WHU betont, der Studienbetrieb in Vallendar bleibe erhalten, bis die letzten Jahrgänge ihr Studium abgeschlossen haben. Das gibt der Region Zeit – Zeit, die Landrat Boos nutzen will, um im Austausch mit der Hochschule auszuloten, welche Perspektiven für Vallendar bleiben.
Was bleibt, wenn der Hauptsitz erstmal am Rhein in Düsseldorf liegt statt an der Mosel in Vallendar? Vielleicht genau das, was den Ort all die Jahre ausgemacht hat: Menschen, die hierherkommen, etwas lernen und wieder gehen – nur dass der Ort, an dem sie ankommen, in Zukunft ein anderer ist.






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