
Nach Jahren des Stillstands ist klar: Das Freizeitbad Tauris in Mülheim-Kärlich bleibt öffentlich. Was der Beschluss der Verbandsgemeinde Weißenthurm bedeutet.
Wer in Mülheim-Kärlich oder Umgebung wohnt, kennt das Tauris. Oder besser: kannte es. Seit 2023 ist das Freizeitbad geschlossen, und wer die Entwicklung in den vergangenen Jahren verfolgt hat, weiß, wie zäh das Ringen um eine Zukunft für das Gebäude war. Jetzt gibt es eine Entscheidung, die der Sache eine Richtung gibt.
Zur Einordnung lohnt ein Blick zurück. Wie der SWR berichtet, suchte die Stadt Mülheim-Kärlich zuletzt zum dritten Mal nach einem privaten Investor für das Bad. Der Mindestkaufpreis für das Freizeitbad selbst lag dabei weiterhin bei einem symbolischen Euro — so war es schon bei den beiden vorangegangenen Ausschreibungen. Neu war allerdings, dass diesmal auch das Außengelände mit zum Verkauf stand. Für das Grundstück wären nach Angaben der Stadt mindestens 1.071.000 Euro fällig geworden. Alternativ hätte man mit der Stadt auch einen Erbpachtvertrag schließen können, bei dem der Pachtzins im Zeitverlauf angepasst werden kann, etwa wenn sich der Wert des Areals durch Änderungen im Bebauungsplan erhöht.
Bürgermeister Gerd Harner bestätigte dem SWR, dass die Stadt in jedem Fall auf einem Ankaufsrecht im Vertrag bestand. Der Hintergrund: Man wollte verhindern, dass Spekulanten das Grundstück kaufen und später zu ihren eigenen Gunsten nutzen, statt im Sinne der Stadt — die das Bad perspektivisch wieder für den Schulsport braucht. Als Mindestvoraussetzung für jeden neuen Eigentümer stand fest: Das 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen sollte ganzjährig für den Schulsport nutzbar sein. Wäre das nicht innerhalb von drei Jahren nach dem Verkauf der Fall gewesen, hätte die Stadt ihr Ankaufsrecht ziehen können. Interessenten konnten sich bis zum 25. September über das EU-weite Portal subreport ELViS zum Wettbewerb anmelden, konkrete Angebote mussten bis zum 10. Oktober im Rathaus eingehen.
Am Ende hat sich etwas anderes durchgesetzt als ein privater Käufer von außen. Wie die CDU Mülheim-Kärlich auf Facebook berichtet und von blick-aktuell.de aufgegriffen wurde, geht das Freizeitbad Tauris samt Grundstück an die Verbandsgemeinde Weißenthurm. Der Rat stimmte dem entsprechenden Vorschlag von CDU und SPD zu — die Fraktionen von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen votierten geschlossen dafür, lediglich einzelne Mitglieder der FWG stimmten dagegen oder enthielten sich.
Konkret heißt das: Das Grundstück wird der Verbandsgemeinde im Erbbaurecht überlassen, für das bestehende Gebäude zahlt sie einen Euro. Damit bleibt der Grundgedanke der ursprünglichen Ausschreibung erhalten — nur eben ohne privaten Investor von außen. Zur Gewährleistung des Schulschwimmens soll ein ganzjährig nutzbares Schwimmbad mit 25-Meter-Becken und fünf Bahnen entstehen. Das war schon in den Ausschreibungsbedingungen die zentrale Forderung der Stadt, und sie findet sich jetzt im Beschluss wieder.
Wer jetzt schon das fertige Bad vor Augen hat, muss sich noch gedulden. Nach Angaben der CDU wurde hinsichtlich des eigentlichen Schwimmbadbetriebs noch nichts final entschieden. Der Verbandsgemeinderat will sich Schritt für Schritt mit den konkreten Entwicklungen auf dem Gelände befassen. Dazu gehört auch die Frage, ob ein Umbau des bestehenden Tauris-Gebäudes überhaupt machbar ist.
Offen ist ebenfalls, was aus den vorhandenen Außenbecken wird, ob ein Wasserspielplatz und Liegewiesen entstehen können. Diese Ideen stehen zur Diskussion, aber ob sie sich umsetzen lassen und sinnvoll sind, muss die weitere Planung erst zeigen.
Für alle, die in Mülheim-Kärlich oder der Verbandsgemeinde Weißenthurm zuhause sind, ist das erstmal eine gute Nachricht mit Fragezeichen. Das Bad bleibt öffentlich, der Schulsport soll gesichert werden — das war über Jahre keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig zeigt der lange Weg über drei Ausschreibungen, wie kompliziert es war, für dieses Gelände eine tragfähige Lösung zu finden. Jetzt liegt die Verantwortung bei der Verbandsgemeinde, aus einem leerstehenden Gebäude wieder einen Ort zu machen, an dem Kinder schwimmen lernen und Familien am Wochenende hinfahren.
Bis es so weit ist, bleibt vorerst Geduld gefragt. Aber die Richtung steht fest — und das ist nach Jahren des Stillstands schon mal mehr, als viele erwartet hatten.






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