
Tankrabatt, Rekordpreise und Preisunterschiede zu Österreich und Tschechien: 7 Rechnungen zeigen, wann sich Tanken über die Grenze wirklich lohnt.
Kennst du das Gefühl, wenn du an der Zapfsäule stehst und im Kopf schon anfängst zu rechnen, ob sich der Umweg über die Grenze gelohnt hätte? Genau darum geht es gerade in ganz Deutschland – und auch bei uns in der Region, wo Luxemburg, Frankreich oder auch mal ein längerer Ausflug Richtung Osten für so manchen zur Kopfsache werden. Zwischen Rekordpreisen an deutschen Tankstellen und einem neuen Tankrabatt, der ab 1. Oktober gelten soll, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen. Denn Bauchgefühl hilft an der Zapfsäule selten – Rechnen schon.
Vom 1. Oktober bis 31. Dezember soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter sinken. Rechnet man den Mehrwertsteuer-Effekt mit ein, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter. Wichtig dabei: Diese Weitergabe ist nicht verpflichtend. Die Mineralölkonzerne müssen den Rabatt nicht eins zu eins an der Zapfsäule sichtbar machen.
Auch unsere Nachbarn reagieren. In Österreich sind laut ORF für Oktober und November 6,7 Cent weniger Mineralölsteuer sowie eine Begrenzung der Unternehmensmargen um 3,5 Cent je Liter vorgesehen. Mit dem Mehrwertsteuer-Effekt soll die Entlastung dort bei etwa 12 Cent je Liter liegen – spürbar, aber etwas weniger als in Deutschland geplant.
In Tschechien läuft die Sache anders: Ab 1. Oktober greift eine zunächst auf einen Monat befristete staatliche Preisregulierung. Das Finanzministerium soll dort täglich Höchstpreise für Benzin und Diesel festlegen, zusätzlich werden Tankstellenmargen begrenzt und die Dieselsteuer auf das EU-Minimum gesenkt. Laut Radio Prague macht allein die Steuersenkung beim Diesel umgerechnet rund 8 Cent aus, zusammen mit der Mehrwertsteuer landet man bei rund 10 Cent je Liter. Konkrete Preise standen zum Stichtag 29. September aber noch nicht fest.
Bislang sparten Autofahrer im Grenzgebiet laut einem Preisvergleich der Redaktion bei der Fahrt nach Österreich im Schnitt zwischen rund elf Cent beim Diesel und 21 Cent beim Benzin. In Tschechien lag der Abstand jeweils bei rund 30 Cent. Wird der deutsche Tankrabatt voll weitergegeben, dürfte sich der Abstand zu Österreich um etwa 5 Cent verringern. Für Tschechien lässt sich die Veränderung wegen der täglich neu festgelegten Höchstpreise noch nicht genau abschätzen.
Ob sich der Ausflug über die Grenze lohnt, kann laut ADAC-Sprecher Bastian Hambalgo vom ADAC Südbayern nicht pauschal beantwortet werden. Wer ohnehin durch ein Nachbarland fährt oder nur wenige Kilometer entfernt wohnt, sollte vergleichen. Bei größeren Umwegen frisst die zusätzliche Fahrt die Ersparnis aber schnell wieder auf. Ein Rechenbeispiel macht das greifbar: 30 Cent Differenz je Liter bringen bei 50 Litern eine Ersparnis von 15 Euro. Bei 20 Cent sind es noch 10 Euro. Wer für den Tankausflug aber 20 Kilometer einfache Strecke zurücklegen muss, verbraucht bei durchschnittlich 6 Litern und 2 Euro pro Liter schon fast 5 Euro davon – die Rechnung schmilzt also ziemlich schnell zusammen.
Während an der Zapfsäule über Rabatte diskutiert wird, zeigt sich die andere Seite der Medaille in der Inflationsstatistik. Ökonomen, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden, erwarten für September einen Anstieg der Verbraucherpreise um durchschnittlich 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – der höchste Wert seit Ende 2023. Im August hatte die Teuerungsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen. Wie das Handelsblatt berichtet, sagte der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon, Daniel Hartmann, der Inflationsanstieg werde im September fast ausschließlich von den Energiepreisen getragen. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten habe die Ölpreise zeitweise deutlich über die Marke von 100 Dollar je Fass getrieben. Dem ADAC zufolge mussten Autofahrer im September mehrfach Rekordpreise für Diesel und Benzin bezahlen.
Wer trotzdem über die Grenze fährt, sollte wissen, wo die Grenzen liegen – im wörtlichen Sinn. Steuerfrei ist grundsätzlich nur der Kraftstoff im Fahrzeugtank. Zusätzlich dürfen aus einem anderen EU-Mitgliedstaat bis zu 20 Liter Kraftstoff in einem Reservebehälter steuerfrei nach Deutschland gebracht werden, wie das Hauptzollamt Regensburg mitteilte. Wer es übertreibt, kann teuer davonkommen – der Zoll hatte im Juni bei Furth im Wald bereits einige Tanktouristen aus dem Verkehr gezogen. Auch bei der Lagerung zu Hause gelten klare Regeln, die sich je nach Bundesland unterscheiden: In Bayern dürfen in Garagen bis zu 200 Liter Diesel, aber nur 20 Liter Benzin aufbewahrt werden, da Benzin als deutlich gefährlicher gilt. Wer den Ausflug mit einem Einkauf verbindet, darf laut Zoll zudem bis zu 800 Zigaretten, 10 Liter Spirituosen, 110 Liter Bier oder 10 Kilogramm Kaffee für den privaten Bedarf mitbringen.
Der Tankrabatt ist kein Wundermittel, sondern ein Rechenposten unter vielen. Ob er ankommt, hängt davon ab, ob die Konzerne mitziehen. Und der Trip über die Grenze rechnet sich eben nicht automatisch, nur weil der Liter dort auf dem Papier günstiger aussieht. Wer beim nächsten Tanken kurz innehält und nachrechnet, statt nur auf die Zahl an der Anzeige zu schauen, trifft am Ende die bessere Entscheidung – ganz ohne Umweg über die Grenze.
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