
Tankrabatt: Diesel-Preise sinken laut ADAC deutlich, bei Super E10 bleibt eine Lücke. Autogas bleibt günstigste Alternative an der Zapfsäule.
Wer in den letzten Tagen in der Region getankt hat, hat es vermutlich gemerkt: Es ist etwas günstiger geworden. Aber reicht das auch? Genau diese Frage treibt gerade nicht nur uns um, sondern auch den ADAC. Der Autoclub hat frisch nachgerechnet, was von der staatlichen Entlastung tatsächlich an der Zapfsäule ankommt — und das Ergebnis ist durchwachsen.
Seit dem 1. Oktober gilt der neue Tankrabatt. Laut ADAC kostet ein Liter Super E10 aktuell 2,126 Euro, das sind 13,2 Cent weniger als in der Vorwoche. Beim Diesel fällt der Rückgang noch deutlicher aus: 2,233 Euro pro Liter, ein Minus von 17,6 Cent binnen einer Woche. Klingt erstmal nach einem ordentlichen Schritt in die richtige Richtung.
Schaut man genauer hin, zeigt sich allerdings ein Unterschied zwischen den beiden Kraftstoffsorten. Wie der ADAC mitteilt, kommt die steuerliche Entlastung beim Diesel mittlerweile zu einem großen Teil bei den Fahrerinnen und Fahrern an. Bei Super E10 sieht der Club dagegen weiterhin eine deutliche Lücke gegenüber dem rechnerisch möglichen Preisrückgang von rund 17 Cent je Liter.
Das ist bemerkenswert, denn die äußeren Rahmenbedingungen hätten eigentlich für sinkende Preise bei beiden Sorten sprechen müssen. Der Ölpreis ist zuletzt leicht gefallen: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zum jüngsten Handelsschluss rund 100 US-Dollar, etwa drei Dollar weniger als eine Woche zuvor. Zwar hat der Eurokurs gleichzeitig nachgegeben und laut ADAC den schwächsten Stand seit Mai 2025 erreicht — trotzdem sieht der Club angesichts des insgesamt hohen Preisniveaus weiterhin Spielraum nach unten. Die klare Forderung: Die Mineralölunternehmen sollen die steuerliche Entlastung vollständig weitergeben.
Dass sich die Freude über sinkende Preise schnell relativieren kann, zeigt ein Rückblick auf die ersten Oktobertage. Laut ADAC sanken die Preise mit dem Start des Tankrabatts zunächst deutlich, zogen dann aber bereits zum 4. Oktober wieder an. An diesem Tag kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,137 Euro — 2,3 Cent mehr als drei Tage zuvor. Beim Diesel waren es 2,253 Euro, ein Plus von 0,9 Cent. Ein Teil der anfänglichen Entlastung war also binnen weniger Tage wieder aufgezehrt. Für die Entwicklung bei Super E10 fand der ADAC dabei keine offensichtliche Erklärung, da sich Ölpreis und Wechselkurs in diesem Zeitraum kaum verändert hatten.
Zur Einordnung: Der Tankrabatt senkt die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 14 Cent. Rechnet man die Mehrwertsteuer mit ein, ergibt sich eine Entlastung von knapp 17 Cent pro Liter — die vielzitierte Zahl, an der sich auch der ADAC bei seiner Bewertung orientiert.
Parallel zur Tankrabatt-Debatte hält der ADAC an einer weiteren Forderung fest: der Abschaffung der sogenannten 12-Uhr-Regel, nach der Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Die Regel habe zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen reduziert und den Erhöhungszeitpunkt vorhersehbarer gemacht, so der ADAC. Gesenkt habe sie die Preise dadurch aber keineswegs — im Gegenteil, die Preisdifferenz innerhalb eines Tages habe sich deutlich ausgeweitet. ADAC Verkehrspräsident Peter König bringt es auf den Punkt: Die Regel habe ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht, deshalb solle sie abgeschafft werden.
Für alle, die trotzdem an der aktuellen Regelung vorbeikommen wollen, hat der ADAC einen simplen Tipp parat: kurz vor 12 Uhr tanken. Dann sind die Preise im Tagesverlauf meist am niedrigsten, bevor sie zur Mittagszeit stark anziehen und erst im Laufe des Nachmittags wieder langsam sinken. Wer die Übersicht behalten will, findet in der Spritpreis-App „ADAC Drive“ die aktuellen Preise von mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland im Vergleich.
Während sich bei Benzin und Diesel alles um Cent-Beträge dreht, zeigt sich bei einem anderen Kraftstoff ein ganz anderes Bild. Wie der Deutsche Verband Flüssiggas berichtet, bleibt Autogas auch nach Einführung des Tankrabatts mehr als einen Euro pro Liter günstiger als Benzin oder Diesel. Am 5. Oktober lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 bei 211,5 Cent pro Liter, für Diesel bei 222,7 Cent — Autogas kostete dagegen nur 109,9 Cent. Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Preisentwicklung seit Beginn des militärischen Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran: Während sich Super E10 von Februar bis September um 28,8 Prozent verteuerte und Diesel sogar um 38,6 Prozent, stieg der Autogaspreis im selben Zeitraum nur um 5,6 Prozent. Laut Markus Lau, Technikexperte beim Flüssiggas Verband, ist Autogas gerade für Pendler und Vielfahrer wirtschaftlich attraktiv. Das spiegelt sich auch in den Zulassungszahlen wider: Von Januar bis September 2026 wurden in Deutschland 10.922 Autogas-Pkw neu zugelassen, ein Plus von 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im September lag der Zuwachs sogar bei 79,8 Prozent. Rund 5.500 Tankstellen in Deutschland bieten den Kraftstoff an.
Das kennt ihr vielleicht: Man hört von einer Entlastung, freut sich kurz — und beim nächsten Blick auf die Anzeigetafel ist der Preis schon wieder gestiegen. Der Tankrabatt zeigt Wirkung, keine Frage. Aber ob diese Wirkung vollständig bei euch ankommt, hängt offenbar auch davon ab, was ihr tankt und wann ihr an die Zapfsäule fahrt. Ein Blick auf die Preis-App vor dem Losfahren kostet keine Minute — und kann am Ende ein paar Euro im Portemonnaie lassen.






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