
Nur rund zwei Drittel des Tankrabatts kommen laut DIW Berlin an der Zapfsäule an. Was hinter den Zahlen steckt und warum die Weitergabe schwankt.
Wer in den vergangenen Wochen in Koblenz oder irgendwo zwischen Rhein und Mosel getankt hat, hat vielleicht gehofft, spürbar mehr im Portemonnaie zu behalten. Seit dem 1. Oktober gilt wieder eine Energiesteuersenkung auf Benzin und Diesel. Rechnerisch ergibt das eine Entlastung von rund 16,7 Cent je Liter, Umsatzsteuereffekt eingerechnet. Klingt nach einem ordentlichen Batzen. Die Frage ist nur: Kommt der auch wirklich an der Zapfsäule an?
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat genau das untersucht – mit einem eigenen Tankrabatt-Monitor, der täglich die Preise an rund 15.000 Tankstellen in Deutschland mit knapp 10.000 Tankstellen in Frankreich vergleicht. Frankreich dient dabei als Vergleichsmaßstab, weil dort kein vergleichbarer Rabatt gilt. Sinken die Preise hierzulande stärker als im Nachbarland, wertet das DIW das als Effekt der deutschen Steuersenkung.
Das Ergebnis nach rund zwei Wochen: Laut DIW Berlin sind seit dem 1. Oktober die Preise in Deutschland im Schnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gefallen als in Frankreich. Bei einer vollen Steuersenkung von 16,7 Cent entspricht das nur rund 61 bis 67 Prozent – beim Diesel kommt mit 67 Prozent am meisten an, bei Super E10 und E5 liegt die Weitergabe bei 62 beziehungsweise 63 Prozent.
Noch auffälliger ist der Verlauf über die Zeit, wie das DIW Berlin in seiner Zwischenbilanz festhält. In den ersten Tagen nach Einführung des Rabatts fielen die Preise noch deutlich stärker – um rund 12 Cent, beim Diesel sogar bis zu 13,6 Cent. Seit dem 8. Oktober liegt die Weitergabe aber nur noch bei durchschnittlich 9 Cent. Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin, sagt dazu laut Institut: Die Weitergabe sei über die Zeit kleiner geworden. Schon beim ersten Tankrabatt im Frühjahr habe sich ein ähnliches Muster gezeigt, allerdings erst gegen Ende der Geltungsdauer.
Wie das IWR Online berichtet, lag die Weitergabe bereits nach der ersten Woche bei rund 11 Cent für Benzin und 13 Cent für Diesel – rechnerisch also etwa 66 Prozent bei Benzin und 78 Prozent bei Diesel. Tomaso Duso wird dort mit den Worten zitiert, es deute sich an, dass der Tankrabatt erneut nicht in voller Höhe weitergegeben werde, eine abschließende Bewertung sei aber noch zu früh.
Spannend ist, dass die genaue Zahl davon abhängt, welchen Tag man als Ausgangspunkt nimmt. Vergleicht man die Entwicklung mit dem 27. statt mit dem 30. September, liegt die Weitergabe laut DIW Berlin sogar bei über 80 Prozent – weil die Preise in Deutschland schon Ende September stärker gefallen waren als in Frankreich. Am eigentlichen Trend seit dem 1. Oktober ändert das aber nichts: Die Weitergabe nimmt mit der Zeit ab, egal von welchem Tag aus man rechnet.
Warum landet nicht die volle Steuersenkung bei den Autofahrerinnen und Autofahrern? Das DIW Berlin erklärt: Die Steuersenkung kommt zuerst bei Raffinerien und Großhändlern an. Ob sie von dort weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb auf dieser Stufe ab – und genau dort gebe es deutliche Hinweise auf schwachen Wettbewerb. Das Institut fordert deshalb, dass das Bundeskartellamt seine Untersuchungen auf Raffinerie- und Großhandelsebene konsequent fortsetzt, weil mangelnder Wettbewerb dort nicht nur während eines Tankrabatts ein Problem sei.
Ganz neu ist das Phänomen nicht. Bereits vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 hatte der Bundestag eine Energiesteuersenkung in identischer Höhe beschlossen. Laut IWR Online stellte die Monopolkommission in ihrer Zwischenbilanz vom 16. Juni fest, dass davon im Schnitt rund 15 bis 16 Cent an die Verbraucher weitergegeben wurden – in Süddeutschland mit 13,3 bis 14,9 Cent spürbar weniger. Den nicht weitergegebenen Anteil schätzte die Kommission damals auf 100 bis 200 Millionen Euro.
Zum Ende der Laufzeit ließ die Weitergabe laut Monopolkommission deutlich nach: In den letzten Tagen vor dem 30. Juni kamen je nach Kraftstoff nur noch 7 bis 11 Cent bei den Tankenden an. Für den gesamten Zeitraum bezifferte das DIW den nicht weitergegebenen Betrag auf mehr als 200 Millionen Euro, wie IWR Online berichtet. Die Bundesregierung sah das in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken Ende September übrigens positiver und erklärte, die Steuersenkung sei weitgehend weitergegeben worden – gestützt unter anderem auf Untersuchungen des ifo-Instituts und der Monopolkommission.
Wichtig zu wissen: Tomaso Duso leitet nicht nur die DIW-Abteilung Unternehmen und Märkte, sondern ist zugleich Vorsitzender der Monopolkommission. Die aktuelle DIW-Analyse zum ersten Tankrabatt stützt sich auf jene Untersuchung – es handelt sich also nicht um zwei vollständig unabhängige Erhebungen, wie IWR Online einordnet.
Für alle, die regelmäßig zwischen Koblenz, dem Deutschen Eck und den Dörfern entlang von Rhein und Mosel unterwegs sind, heißt das vor allem: Der Rabatt ist da, aber eben nicht vollständig. Wer beim Tanken genau hinschaut, merkt den Unterschied zwischen dem, was der Staat an Steuern senkt, und dem, was tatsächlich an der Säule abgezogen wird. Das DIW aktualisiert seinen Tankrabatt-Monitor täglich und veröffentlicht donnerstags eine Zusammenfassung. Wer wissen will, ob sich die Lage in den kommenden Wochen noch ändert, kann dort weiterverfolgen, wie viel von den 16,7 Cent am Ende wirklich im eigenen Tank landet.






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