
Niedrigwasser am Rhein belastet jetzt auch die Kraftstoffversorgung: Tankschiffe laden weniger, Logistik wird teurer. Was das für Autofahrer bedeutet.
Wir hatten es ja schon bei den Fähren im Mittelrheintal: Wenig Wasser im Rhein bringt den Verkehr auf dem Fluss ordentlich durcheinander. In einem früheren Beitrag ging es um Fähren, die gar nicht mehr oder nur eingeschränkt fahren konnten. Jetzt zeigt sich: Das Niedrigwasser trifft nicht nur Fährbetriebe, sondern auch die Versorgung mit Kraftstoff. Und das betrifft am Ende jeden, der tanken muss.
Der Rhein ist nämlich nicht nur Postkartenmotiv und Fährstrecke, sondern auch eine der wichtigsten Transportadern für Diesel, Benzin und Heizöl in Deutschland. Sinkt der Pegel, sinkt auch die Menge, die ein Tankschiff laden kann. Und genau das sorgt gerade für Kopfzerbrechen in der Mineralölbranche.
Wie die NRWZ berichtet, bestätigt die Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe, dass ihre Tankschiffe derzeit nur noch rund ein Drittel der sonst üblichen Ladung aufnehmen können. Die Raffinerie zählt zu den größten in Europa und versorgt einen wesentlichen Teil Baden-Württembergs mit Kraftstoffen. Nach Angaben der MiRO läuft der Abtransport der fertigen Produkte normalerweise zu rund 60 Prozent über die Straße, zu etwa 25 Prozent über den Rhein und zu rund 15 Prozent über die Schiene. Weil die Schiffe jetzt viel weniger laden können, braucht es für dieselbe Menge deutlich mehr Fahrten.
Die Unternehmen versuchen deshalb, mehr Transporte auf die Schiene zu verlagern — das gilt auch für Bioethanol, das für die Herstellung von Super E5 und Super E10 gebraucht wird. Nur: Auch auf der Schiene ist gerade nicht alles frei. Wegen der laufenden Generalsanierung der rechten Rheinstrecke steht laut NRWZ nur etwa die Hälfte der üblichen Schienenkapazität zur Verfügung. Die Ausweichmöglichkeit wird also selbst zum Nadelöhr.
Trotzdem herrscht an den Tankstellen bislang kein Chaos. Der Wirtschaftsverband en2x, der deutsche Raffinerien und Markentankstellen vertritt, meldet laut NRWZ einen stabilen Betrieb. Hauptgeschäftsführer Christian Küchen sagt, dank permanenter Neujustierung der Logistik laufe der Tankstellenbetrieb derzeit auf normalem Niveau — auch im gesamten Rheingebiet. Engpässe verzeichne man bislang nicht.
Das klingt beruhigend, heißt aber nicht, dass alles easy läuft. Die Branche arbeitet sozusagen auf Hochtouren im Hintergrund, damit wir vorne an der Zapfsäule nichts davon merken. Fahrzeuge, Fahrer, freie Transportkapazitäten — all das wird gerade knapper, weil mehr auf Lkw und Bahn verlagert werden muss, was sonst übers Wasser ging.
Dass das Niedrigwasser kein rein südwestdeutsches Phänomen ist, zeigt ein Bericht der WAZ aus Bochum. Dort berichtet die Bochumer Aral-Mutter BP von steigenden Transportkosten wegen des Rhein-Niedrigwassers. Das Problem zieht sich also über weite Teile der Rheinschiene — und damit letztlich auch durch unsere Region, in der der Fluss genauso zum Alltag gehört wie die Mosel.
Die aufwendigere Logistik kostet Geld, und diese Kosten sind laut NRWZ ein Baustein der Kraftstoffpreise — neben anderen Faktoren wie den Einkaufspreisen für Benzin und Diesel auf dem Weltmarkt. Eine klare Prognose, ob und wie stark sich das an der Zapfsäule bemerkbar macht, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Zu viele Faktoren spielen da zusammen: Rohölpreise, Wechselkurse, Nachfrage, Wettbewerb.
Küchen wird mit den Worten zitiert, die eigene Branche arbeite Tag und Nacht daran, die Belieferung aufrechtzuerhalten — nicht nur für Tankstellen, sondern auch für Heizölkunden, Flughäfen und Industrie. Dass Kundinnen und Kunden davon bislang nichts spüren, bezeichnet er als logistische Meisterleistung.
Ganz entspannt zurücklehnen will sich die Branche aber nicht. Sinkt der Pegel weiter, steigt laut en2x die Wahrscheinlichkeit regional begrenzter Versorgungsprobleme — besonders dann, wenn gleichzeitig technische Störungen auftreten oder es bei Schiene und Straße zu weiteren Verzögerungen kommt. Von einer flächendeckenden Versorgungskrise ist aktuell keine Rede. Aber die Situation zeigt, wie eng Wasserstand, Logistik und am Ende unser Alltag miteinander verknüpft sind.
Autofahrerinnen und Autofahrer müssen deshalb nicht in Torschlusspanik verfallen und jetzt vorsorglich volltanken. Die Versorgung gilt weiterhin als gesichert. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Pegelstände, wenn man ohnehin schon die Fährzeiten im Mittelrheintal im Auge behält — beides hängt gerade am selben Faden.
Der Rhein zeigt uns derzeit, wie viel an ihm hängt: Fähren, Kraftstoff, ganze Lieferketten. Wer das nächste Mal über die Moselbrücke oder am Deutschen Eck vorbeikommt und den Fluss ungewohnt schmal sieht, weiß jetzt: Das ist mehr als ein hübsches Bild für den Feed. Das ist Logistik in Echtzeit.






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