
Genesungsbegleiter helfen anderen Betroffenen aus eigener Krisenerfahrung heraus. Medi-Karriere erklärt Ausbildung, Kosten, Dauer und Einsatzorte im Überblick.
Manchmal hilft kein Lehrbuch so sehr wie die eigene Erfahrung. Genau darauf baut das Berufsbild des Genesungsbegleiters auf. Menschen, die selbst eine psychische Krise, eine Psychiatrie-Erfahrung oder eine schwere Lebensphase durchgestanden haben, begleiten andere Betroffene auf ihrem Weg zurück ins Leben. Nach Angaben von Medi-Karriere steht dahinter das sogenannte EX-IN-Prinzip, kurz für Experienced Involvement, zu Deutsch: die Beteiligung Erfahrener. Das Konzept stammt aus einem europäischen Projekt, das zwischen 2005 und 2007 entwickelt wurde, und wird in Deutschland heute unter anderem von EX-IN Deutschland e. V. sowie regionalen Ausbildungsanbietern weitergeführt.
Das klingt erstmal nach einer sehr speziellen Qualifikation. Ist es auch. Und genau das macht sie wertvoll.
Formal braucht es laut Medi-Karriere keinen Schulabschluss, um die Ausbildung zu beginnen. Wichtiger sind andere Dinge: eigene Krisen- oder Psychiatrieerfahrung, eine stabile Lebenssituation, Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich in einer Gruppe zu öffnen. Wer während des Kurses größere Umbrüche plant, etwa einen Umzug oder einen Jobwechsel, sollte das laut Medi-Karriere besser verschieben. Die Ausbildung selbst läuft meist berufsbegleitend über 12 bis 18 Monate und umfasst zwölf Module, fünf Basis- und sieben Aufbaumodule. Jeder Wochenendblock dauert von Freitag bis Sonntag mit jeweils acht bis neun Stunden Unterricht.
Inhaltlich geht es zunächst nach innen: Themen wie Salutogenese, Empowerment oder die eigene Genesungsgeschichte stehen am Anfang. Später verschiebt sich der Fokus nach außen, hin zu Krisenintervention, Begleitung und dem Trialog-Prinzip, bei dem Betroffene, Angehörige und Fachkräfte auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Dazu kommen laut Medi-Karriere zwei Praktika mit mindestens 40 beziehungsweise 80 Stunden, ein individuelles Portfolio und eine Abschlusspräsentation, in der die Teilnehmenden ihre eigene Rolle im Kurs reflektieren.
Eine Vergütung gibt es während der Ausbildung nicht, teilweise aber Fördermöglichkeiten über Bildungsgutscheine, Stiftungen oder Arbeitgeber. Die Kursgebühren liegen laut Medi-Karriere meist zwischen 2.500 und 4.500 Euro, je nach Anbieter und Bundesland. Am Ende steht ein Zertifikat des jeweiligen EX-IN-Ausbildungsanbieters nach den Qualitätsstandards von EX-IN Deutschland, vorausgesetzt, die Fehlzeiten liegen unter zehn Prozent.
Fertig ausgebildete Genesungsbegleiter arbeiten danach in psychiatrischen Kliniken, Beratungsstellen, Wohnheimen, sozialpsychiatrischen Diensten oder in der Jugendhilfe. Das Mediangehalt liegt laut Medi-Karriere bei 3.620 Euro brutto im Monat.
Vielleicht kennt ihr jemanden, der genau diesen Weg schon hinter sich hat. Oder jemanden, der ihn gerade erst beginnt. Es lohnt sich, mal genauer hinzuhören, was aus einer Krise entstehen kann.






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