
Koblenz pflanzt bis 2027 insgesamt 261 neue Bäume und entfernt 157 geschädigte Exemplare. Klimabäume sollen dem Stadtgrün Hitze und Trockenheit künftig besser…
Steh mal an einem Nachmittag im August am Reichensperger Platz oder auf der Horchheimer Höhe und schau nach oben, in die Baumkronen. Was fällt auf? Braune Blätter, viel zu früh im Jahr. Das ist kein Zufall, sondern die Quittung für Wochen ohne Regen. Nach der anhaltenden Hitze der vergangenen Zeit sind in vielen Städten im Norden von Rheinland-Pfalz Rasenflächen braun, Beete verdorrt und vor allem junge Bäume kämpfen ums Überleben, wie der SWR berichtet. Koblenz bildet da keine Ausnahme – und reagiert jetzt mit einem Plan, der weiterdenkt als bis zum nächsten Regenschauer.
Der Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen will bis zum Frühjahr 2027 insgesamt 261 Bäume in Koblenz neu- oder nachpflanzen. Das Stadtgrün wird damit an zahlreichen Stellen ergänzt und aufgewertet, wie die Stadt Koblenz mitteilt. Neue Straßenbäume sind unter anderem in der Neverstraße und an der Landesstraße 127 vorgesehen. Profitieren sollen aber nicht nur Straßenzüge: Auch Schulen, Spiel- und Bolzplätze, Friedhöfe sowie Grün- und Parkanlagen bekommen frisches Grün.
Am Wallersheimer Weg entlang des Stabilus-Geländes werden die vorhandenen Linden durch Ulmen der Sorte „New Horizon“ ersetzt. Weitere Exemplare dieser klimaresistenten Baumart erhalten die Integrierte Gesamtschule Koblenz, der Schartwiesenweg und die Grundschule Arenberg – insgesamt 23 Ulmen. Für die Grundschule Arenberg ist sogar ein besonders großes Exemplar mit einem Stammumfang von 60 bis 70 Zentimetern eingeplant. Wer dort zur Schule geht, bekommt also nicht erst in zwanzig Jahren Schatten auf dem Pausenhof.
Besonders auffällig wird der Wallersheimer Kreisel: Neun Texas-Eichen der Sorte „New Madrid“ bilden dort künftig einen Ring. Diese Bäume beeindrucken laut Stadt durch ihre wechselnde Blattfärbung – rötlich im Austrieb, kräftig grün im Sommer, dann wieder rötlich im Herbst. Eine weitere Texas-Eiche kommt auf den Spielplatz am Ufer in Neuendorf, ergänzt durch eine Sumpfzypresse und eine Silberweide. Auf dem Gelände des Hilda-Gymnasiums pflanzt die Stadt zwei Säuleneichen der Sorte „Fastigiata Koster“, rechtsrheinisch an der Pfaffendorfer Brücke kommen drei Zerreichen dazu.
Nicht jeder neue Baum ist ein kleiner Setzling. In der Südallee werden acht Linden nachgepflanzt, eine davon mit einem Stammumfang von etwa 50 bis 60 Zentimetern – vorgesehen für den Bereich vor der Notzufahrt am Stift. An der Grundschule Niederberg sollen drei große Bäume künftig für Schatten sorgen: eine Amerikanische Linde, ein Spitzahorn und eine Japanische Rosskastanie, finanziert durch eine Spende des Elternvereins. Auch am Deutschen Kaiser wächst bald ein gespendeter Baum: ein Japanischer Schnurbaum der Sorte „Regent“, ergänzt durch einen mehrstämmigen Feuerahorn.
Wer durch den neuen Uferpark Lützel spaziert, wird in Zukunft 22 zusätzliche Bäume vorfinden – darunter Herbst-Flammen-Ahorne, Blumen-Eschen und Geweihbäume – samt zahlreicher Sträucher. Und auch die Außenanlagen der Kita Goldgrube werden grüner: Zehn Herbst-Flammen-Ahorne und verschiedene Hartriegel-Sorten sind dort geplant.
So viel Neues entsteht nicht ohne Abschied. Im Gegenzug müssen 157 Bäume gefällt werden, wie die Stadt Koblenz erklärt. Gründe dafür sind mangelnde Stand- und Bruchsicherheit, Krankheiten oder ein fortgeschrittener Absterbeprozess. Am Reichensperger Platz trifft es eine große, ortsbildprägende Säulen-Hainbuche, die bereits über mehrere Jahre abgängig war – die Dürre und Hitze in diesem Sommer haben den Absterbeprozess nach Angaben der Stadt stark beschleunigt, sodass die Krone schon in weiten Teilen abgestorben ist. Im Süden der Horchheimer Höhe müssen sechs Bäume entfernt werden, für den Bau der neuen Kleingärten im Schartwiesenweg weitere zwölf Gehölze.
Wer sich genauer informieren möchte: Die vollständigen Listen aller Fällungen und Neupflanzungen stehen laut Stadt zum Herunterladen auf der Internetseite www.koblenzer-stadtgruen.de bereit.
Die Entscheidung für Ulmen, Texas-Eichen oder Schnurbäume kommt nicht von ungefähr. Wie der SWR berichtet, arbeitet die Stadt Koblenz beim Gießen des Stadtgrüns überwiegend mit Leitungswasser, der Schlossgarten wird über einen eigenen Brunnen versorgt. Bei Neupflanzungen setzt Koblenz nach eigenen Angaben zunehmend auf trockenheitsresistentere Arten und Klimabäume, die Hitze und längere Dürrephasen besser aushalten. Zusätzlich startet die Stadt ein Sensorprojekt für bedarfsgerechtes Gießen und baut eine Zisterne beim Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen.
Dass dieses Umdenken nötig ist, zeigt der Blick auf die Nachbarstädte. In Neuwied sagt Gerd Neuwirth, Pressesprecher der Stadtwerke, laut SWR: Ein Baum sollte sich nach fünf bis zehn Jahren selbst versorgen können, sonst sei er die falsche Wahl für den jeweiligen Standort. Auch Andernach setzt bei neuen Baumstandorten auf das sogenannte Schwammstadt-Prinzip, bei dem Regenwasser von Straßen und Gehwegen gezielt in die Baumbeete geleitet wird, um es länger zu speichern. In Mayen wiederum erschweren verhärtete Pflanzflächen und tiefreichende Wurzeln die Bewässerung von Altbäumen erheblich, berichtet der SWR weiter – dort kommen Einschlaglanzen zum Einsatz, die Wasser direkt in tiefere Erdschichten bringen sollen.
261 neue Bäume sind kein Ersatz für das, was in diesem Sommer schon verloren ging. Aber sie sind ein Versprechen an die Zukunft dieser Stadt – an die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Arenberg, die in ein paar Jahren im Schatten einer Ulme sitzen, an alle, die am Wallersheimer Kreisel vorbeifahren und sich im Herbst über rote Blätter freuen. Wer das nächste Mal durch Koblenz läuft und einen schmalen, frisch gepflanzten Baum entdeckt: Der hat gerade erst angefangen, Wurzeln zu schlagen. Gib ihm Zeit.
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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