
Platz-Streit in der Oberliga: Der Verband weist den Koblenzer Protest gegen das 5:1 bei Gau-Odernheim zurück – die TuS legt nun Berufung ein.
Manchmal reden alle über ein Fußballspiel, obwohl der eigentliche Abpfiff schon Wochen zurückliegt. Genau so ein Fall ist das Oberliga-Duell zwischen dem TSV Gau-Odernheim und der TuS Koblenz Ende August. Deutlich gewonnen hat Gau-Odernheim, 5:1 stand am Ende auf der Anzeige. Für die TuS Koblenz war das bitter – aber nicht der eigentliche Aufreger. Der kam erst danach, und er hat mit Fußball im klassischen Sinn erstmal wenig zu tun: Es ging um Zentimeter und Meter auf dem Rasen.
Die Koblenzer legten Protest gegen die Spielwertung ein. Ihr Argument: Der Platz in Gau-Heppenheim, auf dem Gau-Odernheim damals ausweichen musste, sei zu schmal gewesen. Verlangt sind 60 Meter Breite, gemessen haben die Koblenzer nach eigener Einschätzung nur 52 Meter. Kein Vorwurf, den man einfach so stehen lässt – also ließ Gau-Odernheim ein Fachbüro anrücken, das den Platz noch einmal exakt vermessen hat.
Wie der SWR berichtet, ist der Ausweichplatz tatsächlich kein sauberes Rechteck. Je nach Messpunkt schwankt die Breite zwischen 57,2 und 61,3 Metern. Weder eindeutig zu klein, noch makellos normgerecht also – ein Platz mit Ecken und Kanten, im wahrsten Sinne des Wortes.
Am Ende lag die Entscheidung ohnehin nicht bei einem Vermessungsbüro, sondern bei der Spruchkammer des Verbandes. Und die hat klar geurteilt: Der Protest der TuS Koblenz wird als unbegründet zurückgewiesen. Ausschlaggebend war, wie SWR und Sportschau übereinstimmend berichten, eine Grundregel im Sportrecht: Für eine Annullierung eines Spielergebnisses braucht es Regelwidrigkeiten, die das Spiel maßgeblich beeinflusst haben. Und weil die Platzbedingungen für beide Mannschaften identisch waren, sahen die Sportrichter keinen ausreichenden Grund, das 5:1 zu kippen.
Beim TSV Gau-Odernheim sorgte das Urteil erwartungsgemäß für Erleichterung. Abteilungsleiter Michael Maier wird von der Mainzer Allgemeinen Zeitung mit den Worten zitiert, man freue sich sehr über das Urteil und darüber, dass der sportlich erkämpfte Sieg nun Bestand habe. Für den Verein sei das Thema damit abgeschlossen, der Blick richte sich nun auf die kommenden sportlichen Aufgaben.
Auch öffentlich positionierte sich der Verein deutlich. Laut SWR und Sportschau erklärte Gau-Odernheim, man habe den Protest zur Kenntnis genommen, stelle aber die überzeugende Leistung der eigenen Mannschaft in den Vordergrund, die sich den deutlichen Erfolg mit großem Einsatz und hoher spielerischer Qualität verdient habe. Das Spiel sei am angesetzten Spielort unter Leitung des angesetzten Schiedsrichter-Gespanns ordnungsgemäß und vollständig ausgetragen worden.
Dass der TSV Gau-Odernheim seine ersten Heimspiele der Saison überhaupt in Gau-Heppenheim austrug, hatte einen ganz praktischen Grund: Der heimische Rasenplatz war ramponiert, unter anderem wegen der Sommerhitze, und schlicht nicht bespielbar. Der eigene Kunstrasen wiederum ist für die Oberliga zu klein. Mittlerweile ist der heimische Rasenplatz laut SWR und Sportschau wieder bespielbar, die kommenden Heimspiele will Gau-Odernheim dort austragen.
Für die TuS Koblenz war das Verbandsurteil nicht das letzte Wort. Präsident Christian Krey hatte den ursprünglichen Protest so begründet, wie es SWR und Sportschau dokumentieren: Es gehe nicht darum, die eigene Leistung schönzureden oder sich hinter formalen Argumenten zu verstecken. Dennoch müssten bei einem Fußballspiel faire und regelkonforme Bedingungen herrschen, wie sie die zuständige Spielordnung definiere. Genau diese Bedingungen seien aus Koblenzer Sicht nicht gegeben gewesen.
Wie die Sportschau berichtet, hat die TuS Koblenz inzwischen Berufung gegen die Entscheidung der Spruchkammer eingelegt. Das heißt: Der Fall ist noch nicht endgültig entschieden, auch wenn das 5:1 für Gau-Odernheim nach aktuellem Stand Bestand hat.
Man kann über vermessene Fußballplätze schmunzeln – und ja, ein Laser, ein Fachbüro und ein Streit um Dezimeter haben durchaus etwas Kurioses. Aber hinter der Geschichte steckt auch etwas sehr Ernsthaftes: die Frage, wie viel Regelwerk nötig ist, damit der Sport auf dem Platz fair bleibt. Für die Region zwischen Rhein und Mosel ist das kein abstraktes Thema, sondern Alltag im Amateurfußball, bei dem Vereine mit Wetter, Plätzen und Spielorten jonglieren müssen, während anderswo längst über ganz andere Dinge diskutiert wird.
Wie es mit der Berufung der TuS Koblenz weitergeht, bleibt vorerst offen. Bis zur nächsten Entscheidung gilt: Das 5:1 steht – und der Fußball in der Region hat wieder ein Gesprächsthema mehr, das über das Spielfeld hinausreicht.






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