
Das WirtschaftsForum Neuwied hat seinen Vorstand neu aufgestellt und mit drei Bürgermeistern über die Zukunft der Wirtschaftsregion diskutiert.
Neuwied, Weißenthurm, Bendorf — auf der Karte liegen diese Orte nah beieinander, aber wirtschaftlich ticken sie nicht automatisch im gleichen Takt. Genau deshalb gibt es das WirtschaftsForum Neuwied. Und genau darum ging es auch bei der jüngsten Mitgliederversammlung am 24. September, zu der sich mehr als 50 Mitglieder zusammenfanden. Wie das WirtschaftsForum Neuwied selbst berichtet, stand neben den Vorstandswahlen vor allem eine Frage im Raum: Wie schaffen es Kommunen, die regionale Wirtschaft nicht nebeneinander, sondern miteinander zu stärken?
Das ist keine rhetorische Spielerei, sondern eine ziemlich konkrete Aufgabe. Fachkräfte suchen sich heute aus, wo sie leben wollen — und da zählt eben nicht nur das Gehalt, sondern auch, wie gut der Kindergartenplatz klappt, wie die Mieten aussehen und ob man abends noch Lust hat, nach Hause zu fahren. Diese Gemengelage aus Lebensqualität, Infrastruktur und Wohnkosten im Vergleich zu den großen Metropolregionen wurde bei der Veranstaltung ausführlich diskutiert, wie das WirtschaftsForum Neuwied mitteilt.
An der Spitze bleibt vieles beim Alten: Marion Blettenberg wurde als Vorsitzende bestätigt. Neu ist der stellvertretende Vorsitz, den künftig Michael Gassen übernimmt. Ralf Winn bleibt im Vorstand, neu dazu gewählt wurden Bernd Michael Meier und Dirk Höhler.
Spannender ist vielleicht, was strukturell passiert ist. Die Mitgliederversammlung hat eine Satzungsänderung beschlossen, die bis zu drei beratende Beisitzer ermöglicht — ohne Geschäftsführungsbefugnis und ohne Haftung. Diese Rolle übernehmen künftig Frank Wolsfeld, der viele Jahre im Vorstand und als Sprecher des Arbeitskreises Standortentwicklung aktiv war, sowie Alexandra Rünz. Für die Kassenprüfung wurden Thomas Seidel und Martin Monzen bestätigt.
Auch inhaltlich schraubt das Forum an seiner Arbeitsweise. Statt starrer, dauerhafter Arbeitskreise sollen künftig projektbezogene Arbeitsgruppen entstehen. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, bringt sich dort ein — und muss sich nicht in ein Gremium zwängen, das vielleicht gar nicht zur eigenen Agenda passt. Das klingt nach einer kleinen Verwaltungsfrage, ist aber im Kern eine Haltung: Man will flexibler reagieren können auf das, was die Region gerade braucht.
Im Zentrum des Abends stand eine Gesprächsrunde, an der Neuwieds Oberbürgermeister Jan Einig, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm, Thomas Przybylla, und Bendorfs Bürgermeister Christoph Mohr gemeinsam mit Marion Blettenberg teilnahmen. Wie der NR-Kurier berichtet, drehte sich die Diskussion darum, wie die Kommunalverwaltungen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger besser zusammenarbeiten und Aufgaben effizienter wahrnehmen können.
Das ist mehr als eine Floskel aus der Rathaus-Mappe. Wenn drei Kommunen an einer Wirtschaftsregion bauen, aber jede für sich plant, verpufft Kraft, die man gemeinsam besser einsetzen könnte. Die Runde sprach deshalb auch darüber, wie sich die Region nach außen positioniert — ein Thema, das jeder kennt, der schon mal versucht hat, jemandem von außerhalb zu erklären, warum es sich hier so gut leben lässt. Fachkräfte zu gewinnen ist längst kein lokaler Wettbewerb mehr, sondern einer gegen die großen Namen auf der Landkarte. Da hilft es, wenn Neuwied, Weißenthurm und Bendorf nicht gegeneinander, sondern füreinander werben.
Die Diskussion habe deutlich gezeigt, dass die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts zunehmend eine gemeinsame regionale Perspektive braucht, um dauerhaft erfolgreich zu sein — so fasst es das WirtschaftsForum Neuwied selbst zusammen. Klingt nüchtern, ist aber im Grunde die Essenz des Abends: Wer hier lebt und arbeitet, profitiert davon, wenn die Kommunen an einem Strang ziehen statt an drei verschiedenen.
Das Deutsche Eck, der Rhein, die Mosel — das ist die Kulisse, vor der sich all das abspielt. Aber die eigentliche Arbeit passiert in Sitzungssälen, bei Mitgliederversammlungen, in Arbeitsgruppen, die jetzt neu gedacht werden. Wer in der Region unternehmerisch unterwegs ist oder einfach nur wissen will, wie sich die eigene Heimat wirtschaftlich weiterentwickelt, findet im WirtschaftsForum Neuwied eine Anlaufstelle, die genau diese Fragen sortiert. Und vielleicht ist das schon die beste Nachricht: Hier wird nicht nur geredet, sondern auch neu organisiert.






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