
WHU-Umzug nach Düsseldorf: Vallendars Lokalpolitik erfuhr es aus der Presse. Was Stadtbürgermeister Heitmann, der Kreis und das Land jetzt dazu sagen.
Manchmal reicht eine Pressemitteilung, um eine ganze Stadt aus der Ruhe zu bringen. Genau das ist in Vallendar passiert. Die WHU – Otto Beisheim School of Management hat angekündigt, ihren Hauptstandort bis 2034 nach Düsseldorf zu verlegen. Wie die Rhein-Zeitung berichtet, haben Ratsmitglieder von diesem Schritt aus der Presse erfahren – nicht aus einem persönlichen Gespräch, nicht aus einer Ankündigung im Rathaus. Überraschung, Verwunderung, bei manchen auch Schock: So beschreibt die Zeitung die Reaktionen in der Lokalpolitik.
Wir hatten in einem früheren Beitrag bereits berichtet, dass die WHU einen neuen Campus in Düsseldorf plant. Jetzt zeigt sich: Das war kein zusätzlicher Standort, sondern der Anfang vom Ende für Vallendar als Hauptsitz. Besonders bitter für die Stadt: Auch Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann wusste nach eigenen Angaben von den konkreten Plänen nichts, wie die Rhein-Zeitung berichtet.
Gegenüber dem SWR äußerte sich Heitmann deutlich enttäuscht über den angekündigten Weggang. Die Stadt würde einen wichtigen Teil dessen verlieren, was Vallendar ausmacht, sagte er. Die Auswirkungen wären aus seiner Sicht erheblich – auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel, die Gastronomie, die örtliche Wirtschaft und die Nutzung zahlreicher Gebäude. Die nächsten Jahre müsse man nun nutzen, um gemeinsam mit der Hochschule neue Perspektiven für die Stadt zu entwickeln.
Auch auf Kreisebene gibt es Reaktionen. Landrat Marko Boos vom Kreis Mayen-Koblenz hofft laut SWR, dass sich das Land stärker einbringt, um die WHU zumindest in Teilen an den Standort zu binden. Die Hochschule sei nicht nur für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort wichtig, sondern auch für die Attraktivität des gesamten nördlichen Rheinland-Pfalz. Boos will deshalb mit der Hochschule sprechen, ob es doch noch eine langfristige Perspektive für Vallendar geben könnte.
Rheinland-Pfalz‘ Wissenschaftsminister Clemens Hoch bedauert die Verlegung nach eigenen Angaben sehr. Die WHU sei eine geschätzte und gefragte Universität mit starken Wurzeln in der Region Koblenz und höchstem Renommee weltweit, so Hoch gegenüber dem SWR. Das Land habe immer gerne mit der Hochschule zusammengearbeitet und wolle das auch in den kommenden Jahren am weiter bestehenden Standort in Vallendar fortsetzen.
Allerdings macht das Wissenschaftsministerium klar: Es handelt sich um eine interne unternehmerische Entscheidung der privaten Hochschule, die zu respektieren sei. Im Vorfeld habe es zwar Gespräche gegeben, aber keine konkreten Wünsche der WHU an das Land, die die Entscheidung hätten beeinflussen können. Ein Grund dafür dürfte sein: Die WHU erhält keine staatlichen Zuwendungen vom Land Rheinland-Pfalz.
Während in Vallendar die Fragezeichen größer werden, wird in Nordrhein-Westfalen gefeiert. Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht in dem geplanten Campus eine Stärkung der internationalen Anziehungskraft des Landes als Standort für Spitzenforschung, wie der SWR berichtet. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller geht davon aus, dass seine Stadt dadurch noch attraktiver für internationale Studierende, Talente und Unternehmen wird. Auch WHU-Rektor Christian Andres äußerte sich, wie Merkurist berichtet, zur Motivation hinter dem Schritt: Hochschulen müssten stärker zu Knotenpunkten werden, an denen Studierende, Unternehmen, Forschung und öffentliche Institutionen zusammenkommen.
Fakt ist: Beide Standorte sollen laut WHU-Mitteilung an den SWR bis auf Weiteres bestehen bleiben. Das Ziel sei es, die Aktivitäten der Hochschule bis 2034 an einem gemeinsamen Campus in Düsseldorf zu bündeln. Erst dann, heißt es wörtlich von der WHU, werde man auch Abschied von Vallendar nehmen. Wer sein Studium in Vallendar begonnen hat, soll es dort auch abschließen können – das verspricht die Hochschule ausdrücklich.
Wie groß der Einschnitt tatsächlich wäre, lässt sich an den Studierendenzahlen ablesen. Laut Merkurist sind an den beiden Standorten aktuell rund 2.100 Studierende eingeschrieben, davon etwa 1.500 in Vallendar. Seit 1984 ist die Hochschule am Rhein ansässig und gilt als eine der führenden Business Schools Europas – bekannt auch für Start-up-Gründungen ehemaliger Studierender, aus denen Unternehmen wie Zalando, Flixbus und Hellofresh hervorgegangen sind.
Das macht den Verlust für die Region doppelt spürbar: Es geht nicht nur um Mietverträge und Semesterbeginn-Trubel in der Vallendarer Innenstadt, sondern um einen Wirtschaftsfaktor, der weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkt. Genau deshalb betont die WHU selbst, wie der SWR berichtet, dass sie ohne Vallendar nicht das wäre, was sie heute ist – die Region, ihre Menschen und Unternehmen, allen voran die IHK Koblenz, hätten die Hochschule entscheidend geprägt.
Festgezurrt ist der Umzug noch nicht. Die WHU selbst spricht davon, dass sich die einzelnen Schritte des Übergangs erst im weiteren Planungsverlauf konkretisieren werden. Bis 2034 ist es ein langer Weg – und auf diesem Weg wollen sowohl der Kreis Mayen-Koblenz als auch das Land offenbar versuchen, zumindest Teile der Hochschule an der Mosel zu halten. Ob das gelingt, ist völlig offen.
Für Vallendar bedeutet das erstmal: abwarten, Gespräche führen, hoffen. Was bleibt, ist die Frage, die schon beim ersten Bekanntwerden der Düsseldorf-Pläne im Raum stand – und die jetzt, nach dem Schock in der Lokalpolitik, noch dringlicher klingt: Wie sieht Vallendar ohne seine Universität aus? Eine Antwort darauf hat heute niemand.






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