
Der Neuwieder Evensong in St. Matthias verband Kantorei, Orgel und Liturgie zu einem ökumenischen Abendgebet mit Musik im Mittelpunkt statt langer Predigt.
Kennt ihr das Gefühl, wenn Musik mehr sagt als Worte? Genau darum geht es beim Neuwieder Evensong, der am 25. Oktober 2026 um 18 Uhr in der St. Matthias Kirche stattfand. Die Evangelischen Kirchengemeinden Neuwied und die Katholische Pfarrei Neuwied hatten gemeinsam eingeladen, und das ist schon das Besondere an diesem Format: zwei Konfessionen, ein Abend, eine Haltung.
Wie der NR-Kurier berichtet, stand bei diesem Abendgebet die Musik klar im Mittelpunkt, nicht das gesprochene Wort. Es gab Lesungen aus der Bibel, dazu einen kurzen geistlichen Impuls statt einer langen Predigt. Wer schon mal in einem Gottesdienst saß und dachte, jetzt bräuchte es eigentlich nur noch den Klang der Orgel und ein paar Stimmen im Raum – für den war dieser Abend gemacht.
Die Kantorei Feldkirchen-Altwied hat unter der Leitung von Sabine Paganetti gesungen. Simon Schumacher saß an der großen, spätromantischen Klais-Orgel der St. Matthias Kirche – ein Instrument, das in der Region für seinen Klang bekannt ist. Die Liturgie lag in den Händen von Petra Frey und Annerose Klingner-Huss, wie sowohl der NR-Kurier als auch Blick Aktuell übereinstimmend berichten.
Im Wechsel mit den Besucherinnen und Besuchern erklangen Werke der Kantorei. Diese Wechselform ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts: Dadurch soll die Musik eine stärkere emotionale Wirkung entfalten als in einem klassischen Gottesdienst, heißt es in den Berichten zur Veranstaltung. Man sitzt nicht nur da und hört zu, man wird Teil des Klangs.
Ursprünglich stammt der Evensong aus der anglikanischen Kirche. Er ist also streng genommen weder katholisch noch evangelisch – eine eigene Tradition, die sich über Jahrhunderte als Abendgebet etabliert hat. In Neuwied wird daraus bewusst etwas Gemeinsames gemacht: ökumenisch gefeiert, mit Geistlichen beider Konfessionen, die an diesem Abend zusammen den Rahmen gestaltet haben.
Das ist genau die Art von Veranstaltung, die zeigt, wie Kirche vor Ort heute aussehen kann. Nicht als Konkurrenz zwischen den Konfessionen, sondern als gemeinsamer Versuch, Menschen über Musik zu erreichen. Die St. Matthias Kirche war dafür der passende Ort – mitten in Neuwied, offen für alle, die an diesem Sonntagabend einfach mal durchatmen wollten.
Dass sich kirchliches Leben in der Region gerade neu sortiert, zeigt sich nicht nur in Neuwied. Im benachbarten Dierdorf wurde bereits im September 2026 Konrad Lisowski als neuer Pfarrer von St. Clemens eingeführt. Bischof Dr. Stephan Ackermann hatte ihn mit Wirkung zum 1. September 2026 ernannt – auch als Seelsorger im Pastoralen Raum Neuwied, wie die Pfarrgemeinde Dierdorf mitteilt. Zwei unterschiedliche Ereignisse, aber beide erzählen dieselbe Geschichte: Kirche in der Region lebt von Menschen, die sich einbringen, ob als neuer Pfarrer oder als Kantorin, die mit ihrem Chor einen ganzen Abend trägt.
Man muss nicht gläubig sein, um zu verstehen, warum ein Format wie der Evensong funktioniert. Es ist die Ruhe, die so ein Abend mitbringt. Keine lange Predigt, kein Druck, etwas verstehen zu müssen – einfach Musik, die wirkt, und ein Raum, der dafür gemacht ist. Die St. Matthias Kirche hat dafür die passende Akustik, die Klais-Orgel den passenden Klang, und die Kantorei Feldkirchen-Altwied die Stimmen, die den Abend getragen haben.
Solche Veranstaltungen erinnern daran, dass Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen nicht kompliziert sein muss. Zwei Kirchengemeinden, ein gemeinsames Anliegen, ein Abend, der zeigt: Musik verbindet eben doch mehr, als manch einer denkt. Vielleicht ist das auch ein kleiner Impuls für den eigenen Alltag – mal wieder bewusst hinhören, statt nur nebenbei zu hören.






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