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Wenn jede Minute zählt: Warum Wiederbelebung kinderleicht ist

Woche der Wiederbelebung: Warum Prüfen, Rufen, Drücken Leben rettet und wie Schulungen in der Region Menschen zu mutigen Ersthelfern machen.

Redaktion
·
28. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Prüfen, Rufen, Drücken — drei Schritte, die Leben retten

Stell dir vor, jemand bricht vor dir zusammen. Kein Puls, keine Atmung. Was machst du? Viele von uns würden in diesem Moment zögern — aus Angst, etwas falsch zu machen. Genau dieses Zögern kostet in Deutschland jedes Jahr Menschenleben. Über 50.000 Menschen erleiden hierzulande jährlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses, wie das Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung dokumentiert. In fast der Hälfte der Fälle ist jemand in der Nähe, der helfen könnte. Doch nur ein Drittel der Umstehenden traut sich, wirklich einzugreifen.

Dabei ist die Botschaft seit Jahren dieselbe: Wiederbelebung ist kein Hexenwerk. Unter dem Motto „Prüfen. Rufen. Drücken.“ macht die bundesweite Woche der Wiederbelebung genau das jedes Jahr aufs Neue klar. Wer prüft, ob eine Person ansprechbar ist und atmet, wer den Rettungsdienst ruft und anschließend mit der Herzdruckmassage beginnt, kann im Zweifel ein Leben retten. Das einzig wirklich Falsche ist, gar nichts zu tun.

Eine Aktionswoche mit langer Geschichte

Die Woche der Wiederbelebung gibt es nicht erst seit gestern. Wie das Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung auf seiner Website dokumentiert, stand die Aktionswoche schon 2017 unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe, der betonte, dass jedes Jahr rund 10.000 Menschen in Deutschland gerettet werden könnten, wenn Angehörige oder Passanten sofort mit der Herzdruckmassage beginnen würden. Ein Jahr später übernahm sein Nachfolger Jens Spahn die Schirmherrschaft und rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Herzdruckmassage zu erlernen.

Seitdem ziehen sich die Aktionen durch das ganze Land — von Schulprojekten bis zu Messeauftritten. In Kiel etwa übten Schülerinnen und Schüler der Gelehrtenschule gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein die richtigen Handgriffe, im Rahmen der Aktion „Schüler retten Leben“. Auf der Bildungsmesse didacta in Köln informierte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung tausende Besucherinnen und Besucher darüber, wie sich das Thema Wiederbelebung schon im Schulunterricht verankern lässt. Und auch bei Hitzewellen im Sommer weist das Aktionsbündnis regelmäßig darauf hin, dass Kreislaufversagen schneller eintreten kann, als man denkt — und dass dann jede Minute zählt.

Auch in diesem Herbst wieder ein Thema vor Ort

Dass die Woche der Wiederbelebung bis heute Kliniken und Kommunen bewegt, zeigt ein Beispiel aus Niedersachsen. Die Aller-Weser-Klinik in Verden lud anlässlich der Aktionswoche vom 21. bis 27. September zu einem Vortrags- und Schulungsabend ein. Chefarzt Andreas Vagt und Oberärztin Karen Taube-Wilken aus der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin vermittelten dabei nicht nur Grundwissen zur Wiederbelebung, sondern zeigten den Teilnehmenden auch, wie sich die wichtigsten Handgriffe praktisch anwenden lassen — inklusive Herzdruckmassage und dem Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators. „Viele haben Angst, etwas falsch zu machen — dabei ist Nichtstun das einzig Falsche“, sagte Vagt laut Mitteilung der Klinik. Die Veranstaltung war kostenfrei und richtete sich an alle Interessierten, unabhängig von medizinischer Vorbildung.

Solche Abende zeigen: Das Wissen um Reanimation lässt sich nicht nur in Lehrbüchern vermitteln. Es braucht den Moment, in dem man selbst die Hände auf einen Übungsdummy legt und spürt, wie viel Kraft eine Herzdruckmassage tatsächlich braucht. Genau das nehmen viele Teilnehmende aus solchen Schulungen mit — die Gewissheit, im Ernstfall nicht komplett hilflos zu sein.

Was das für uns hier in der Region bedeutet

Man muss kein Rettungssanitäter sein, um im entscheidenden Moment zu handeln. Das kennt ihr vielleicht selbst: dieses kurze Zögern, wenn man nicht weiß, ob man helfen darf, kann, soll. Genau da setzen Aktionen wie die Woche der Wiederbelebung an — sie nehmen die Angst vor dem Falschmachen und ersetzen sie durch drei einfache Schritte. Prüfen. Rufen. Drücken. Kein kompliziertes Regelwerk, sondern eine Handlungsanweisung, die jeder von uns im Kopf behalten kann.

Wer sich unsicher fühlt, findet über das Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung Informationsmaterial und Hintergrundwissen zum Thema. Und wer die Gelegenheit hat, an einer Schulung wie der in Verden teilzunehmen, sollte sie nutzen. Denn am Ende geht es um simple Mathematik: Je mehr Menschen wissen, wie man Erste Hilfe leistet, desto größer ist die Chance, dass im Ernstfall jemand in der Nähe ist, der nicht zögert.

Vielleicht nimmst du dir das als kleinen Gedanken für die nächste Kaffeepause mit: Wann hast du zuletzt eine Reanimation geübt? Und würdest du dich im Ernstfall trauen?

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