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Wenn es in der Nachbarwohnung knallt: Wohin in Koblenz?

Gewalt in der Wohnung nebenan ist nie privat: Das Frauenhaus Koblenz bietet Schutz, Beratung und Zuflucht für betroffene Frauen und Kinder in der Region.

Redaktion
·
30. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Ein Geräusch, das man nicht überhören sollte

Es gibt Momente im Treppenhaus, da hört man mehr, als einem lieb ist. Lautes Schreien, ein dumpfer Schlag, dann Stille. Die meisten von uns zucken zusammen und gehen dann doch weiter, weil man sich ja nicht einmischen will. Aber genau hier fängt das Problem an. Gewalt in der eigenen Wohnung bleibt zu oft unsichtbar, weil sie hinter verschlossenen Türen stattfindet — und weil wir gelernt haben, das Private privat sein zu lassen. Nur: Gewalt ist nie privat. Das sagt auch der Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz, der das örtliche Frauenhaus betreibt, ganz klar.

Was das Frauenhaus Koblenz eigentlich ist

Das Frauenhaus Koblenz ist eine Schutzeinrichtung für Frauen, die seelisch, körperlich oder sexuell misshandelt werden oder von Misshandlung bedroht sind — mit ihren Kindern. Wie der Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz auf seiner Website beschreibt, finden Betroffene dort vier zentrale Dinge: Zuflucht, Schutz, Vertrauen und Beratung. Die Adresse des Hauses ist anonym, die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht und geben keine Auskunft an Dritte weiter. Wer dort aufgenommen wird, bleibt also geschützt vor genau der Person, vor der sie geflohen ist.

Nach Angaben des SkF Koblenz e.V., der das Frauenhaus trägt, ist die Aufnahme rund um die Uhr möglich. Nationalität, Religion und Einkommen spielen dabei keine Rolle. Wer Hilfe braucht, bekommt sie — unabhängig davon, wer sie ist oder woher sie kommt.

Leben im Haus: Selbstständig, aber nicht allein

Ein Frauenhaus ist kein Ort, an dem Frauen versorgt werden wie in einem Heim. Im Gegenteil: Die Frauen und ihre Kinder versorgen sich laut Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz selbst und sind mitverantwortlich für die Hausgemeinschaft. Das klingt zunächst nach einer zusätzlichen Last in einer ohnehin schweren Situation, ist aber ein Stück Selbstbestimmung zurückerobert. Genau das fehlt vielen Frauen, die aus einer gewaltvollen Beziehung kommen, oft am meisten.

Der SkF Koblenz e.V. beschreibt es so: Die Frauen leben mit ihren Kindern selbstverantwortlich und in Gemeinschaft mit anderen betroffenen Frauen. Die Mitarbeiterinnen begleiten sie dabei bedarfsorientiert — mit Beratung in lebenspraktischen und psychosozialen Fragen, mit Unterstützung beim Aufbau einer neuen Zukunft. Auch die Kinder werden nicht vergessen: Sie erhalten laut Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz eigene Beratung und Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte.

Die Zahlen, die nachdenklich machen

Wie der Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz unter Berufung auf eine repräsentative Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berichtet, hat jede vierte Frau in Deutschland Formen körperlicher oder sexueller Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Jedes Jahr flüchten demnach bundesweit rund 20.000 Frauen in Frauenhäuser. Betroffen sind Frauen jeden Alters, unabhängig von sozialer Schicht, Bildungsstand oder Einkommen. Das bedeutet: Es trifft nicht nur „die anderen“. Es könnte die Kollegin sein, die Nachbarin, die Frau aus dem Sportverein.

Wohin, wenn es akut wird

Für Koblenz gibt es klare Kontaktwege. Das Frauenhaus Koblenz ist erreichbar unter der Telefonnummer 0261/94210 20, auch per E-Mail an info@frauenhaus-koblenz.de. In akuten Situationen kann auch die Polizei Koblenz unter 0261/1032062 kontaktiert werden. Bundesweit steht zudem das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der Nummer 0800 0116 016 zur Verfügung — laut SkF Koblenz e.V. eine weitere Anlaufstelle neben dem lokalen Angebot.

Wer selbst nicht betroffen ist, aber Zeugin oder Zeuge wird — sei es im Treppenhaus, im Bekanntenkreis oder in der eigenen Familie —, kann sich ebenfalls an diese Stellen wenden. Man muss nicht sicher sein, man muss nur den Mut haben, hinzuschauen statt wegzuhören.

Aufklärung als Teil der Arbeit

Das Frauenhaus Koblenz versteht seine Aufgabe nicht nur als Unterbringung im Ernstfall. Wie der Sozialdienst katholischer Frauen Koblenz beschreibt, gehört es auch dazu, über Gewalt gegen Frauen und Kinder zu informieren, strukturelle Gewalt in der Gesellschaft aufzudecken und an Veränderungsprozessen mitzuarbeiten. Dafür bietet die Einrichtung Informations- und Fachveranstaltungen, Gesprächsrunden, Vorträge und Infostände an — nach Absprache, auch direkt vor Ort bei interessierten Gruppen.

Getragen wird die Arbeit auch über Spenden. Wer das Frauenhaus Koblenz unterstützen möchte, kann das laut SkF Koblenz e.V. über den Förderverein Frauenhaus Koblenz e.V. tun, mit Konto bei der Sparkasse Koblenz.

Ein Satz zum Mitnehmen

Wer früh aufsteht, hat den Rhein für sich — aber wer genau hinhört, hat vielleicht auch die Chance, jemandem zu helfen, der gerade keine Stimme hat. Man muss nicht die Retterin oder der Retter sein. Man muss nur den Mut haben, eine Nummer zu wählen, wenn oben in der Wohnung wieder etwas knallt. Das reicht schon, um etwas zu verändern.

Quellen


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