
Live während der Museumsnacht entstanden: Das Mural „Across Generations Part II“ in Ehrenbreitstein verbindet Urban Art mit Joseph Breitbach und dem Rhein.
Manche Kunstwerke entstehen im Atelier, in Ruhe, über Wochen. Und manche entstehen an einem einzigen Abend, vor Publikum, mit Sprühdosen und sieben Köpfen, die sich einig werden müssen. Genau das ist am Parkplatz des Rhein-Museums in Koblenz-Ehrenbreitstein passiert. Während der 25. Museumsnacht am 5. September ist dort das großformatige Wandbild „Across Generations Part II“ entstanden – live, vor Ort, Schicht für Schicht. Wer an dem Abend dort war, konnte zusehen, wie aus einer leeren Fläche etwas wurde, das jetzt dauerhaft bleibt.
Das kennt ihr vielleicht: dieses Gefühl, wenn Kunst nicht fertig im Museum hängt, sondern direkt vor der eigenen Haustür entsteht. Genau das war hier der Fall – mitten in Ehrenbreitstein, direkt am Rhein.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von sieben Künstlerinnen und Künstlern mit dem Kultur- und Schulverwaltungsamt der Stadt Koblenz. Unter dem Titel „Panta Rhei(n)“ verbindet das Mural zeitgenössische Urban Art mit dem Rhein und mit dem Leben und Werk des Schriftstellers Joseph Breitbach. Wie die Stadt Koblenz mitteilt, ist der Entstehungsort dabei kein Zufall: Im ehemaligen Ehrenbreitsteiner Schulhaus, in dem heute das Rhein-Museum untergebracht ist, wurde Joseph Breitbach 1903 geboren. Hier hat er seine Kindheit und Jugend verbracht, bevor er zu einem der bedeutenden rheinischen Schriftsteller wurde.
Im Zentrum des Wandbildes stehen zwei Porträts Breitbachs – einmal als junger Mann, einmal im Alter. Sie stehen für die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft und für seine Entwicklung als Autor. Von diesen Porträts aus entfaltet sich ein Strom aus Figuren, Gedankenbildern und Tieren, die auf seine literarische Welt verweisen.
Wer genau hinschaut, findet im Mural konkrete Verweise auf Breitbachs Werk. Ein Rabe nimmt Bezug auf seine Erzählung „Rabenschlacht“. Ein weiteres Motiv verweist auf seinen Roman „Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben“, in dem es um den Ausbruch aus einem von Routine geprägten Leben geht. Erklärende Schriftzüge gibt es dabei bewusst nicht – die Motive sprechen ausschließlich über die Bildsprache der beteiligten Künstlerinnen und Künstler.
Der Titel „Panta Rhei(n)“ spielt mit dem griechischen Gedanken „Alles fließt“ und verbindet ihn mit dem Rhein als prägendem Element der Stadt und der Region. Der Fluss steht für Bewegung und Veränderung – Themen, die sich sowohl in Breitbachs Biografie als auch in der künstlerischen Umsetzung wiederfinden. Einer der beteiligten Künstler, Dennis Nußbaum, beschreibt den besonderen Reiz eines gemeinsamen Murals darin, Menschen mit ähnlicher Haltung zusammenzubringen, sodass unterschiedliche Perspektiven und Handschriften zu einer gemeinsamen visuellen Synthese verschmelzen.
„Across Generations Part II“ ist dabei keine einmalige Sache. Das Projekt knüpft an das gleichnamige Urban-Art-Vorhaben an, das im vergangenen Jahr an den Pfeilern der Kurt-Schumacher-Brücke entstanden ist. Mit der Fortsetzung am Rhein-Museum wird Urban Art erneut im öffentlichen Raum sichtbar – diesmal an einem Ort, der unmittelbar mit der Geschichte eines bedeutenden rheinischen Schriftstellers verknüpft ist.
Kulturdezernent Ingo Schneider zieht ein positives Fazit zur Museumsnacht und dem Projekt: Das Vorhaben sei ein ganz neues und belebendes Element für die Veranstaltung gewesen, die insgesamt sehr lebendig und gut besucht war. Er zeigt sich froh darüber, dass sich bereits im Folgejahr zu „Across Generations“ eine Fortsetzung realisieren ließ – in Kooperation mit der Gruppe der beteiligten Künstlerinnen und Künstler. Wie Schneider ankündigt, soll dem Thema Urban Art in den kommenden Jahren in der Stadt mehr Raum gegeben werden.
Die Museumsnacht selbst ist längst Geschichte, das Wandbild aber bleibt. Es ziert dauerhaft den Parkplatz des Rhein-Museums und verbindet damit zeitgenössische Kunst mit der Geschichte Ehrenbreitsteins. Gleichzeitig erinnert es an Joseph Breitbach, dessen Geburtshaus heute ein Ort der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Rheins ist.
Wer das nächste Mal am Rhein-Museum vorbeikommt, schaut vielleicht genauer hin. Zwischen Raben, Figuren und zwei Porträts steckt ein ganzes Schriftstellerleben – mitten in Koblenz, direkt am Fluss, der schon immer alles fließen lässt.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Antenne Koblenz
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.