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Pfaffendorfer Brücke wartet auf mehr Wasser im Rhein

Niedrigwasser im Rhein verzögert den Einhub zweier 475-Tonnen-Bauteile der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz. Die Stadt hofft auf bessere Pegel im November.

Redaktion
·
18. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Stunde

Wenn der Fluss das letzte Wort hat

Manchmal ist es nicht der Beton, nicht der Stahl und auch nicht der Zeitplan, der über den Baufortschritt entscheidet — sondern schlicht der Wasserstand. Genau das erleben gerade alle, die auf den Neubau der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz warten. Der Rhein führt derzeit zu wenig Wasser, und deshalb kann ein entscheidender Bauschritt nicht stattfinden. Wer kennt das nicht: Man will loslegen, aber die Natur sagt noch nicht ja.

Nach aktueller Einschätzung der Stadt Koblenz ist ein Einhub der beiden noch ausstehenden Brückenteile Ende Oktober nicht möglich. Die Stadt hofft auf eine Verbesserung der Situation im Laufe des Novembers, wie sie mitteilte. Wann das 311 Meter lange Bauwerk am Ende fertig dasteht, bleibt damit vorerst offen.

475 Tonnen, die auf den richtigen Pegel warten

Worum geht es konkret? Um zwei gewaltige Stahlbauteile, jeweils rund 475 Tonnen schwer. Vormontiert wurden sie im Mannheimer Rheinauhafen, die Vormontage ist mittlerweile abgeschlossen und hat nach Angaben der Stadt etwa ein halbes Jahr gedauert. Von Mannheim aus führt der einzig mögliche Weg nach Koblenz über den Rhein — per Schiff. Eine Anlieferung über die Straße kommt wegen der Größe und des Gewichts der Teile nicht infrage.

Und genau hier liegt das Problem: Der Rhein führt derzeit zu wenig Wasser, um den Transport sicher durchzuführen. Damit die Verschiffung klappt, muss mindestens der sogenannte gleichwertige Wasserstand erreicht werden. Dieser Richtwert markiert die Marke, bei der die garantierte Mindestfahrrinnentiefe noch gegeben ist. Am Pegel Mannheim liegt dieser Wert bei 155 Zentimetern, am Pegel Koblenz bei 77 Zentimetern. Die Stadt beobachtet die Pegelstände nach eigenen Angaben wöchentlich, auch am Wochenende, um im Fall einer Verbesserung schnell reagieren zu können. Da heißt es: abwarten und den Fluss im Blick behalten.

Ein Großprojekt mit vielen Baustellen — nicht nur am Rhein

Der Brückenneubau ist für Koblenz mehr als nur eine Baustelle, es ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt. Seit 2023 wird gebaut, ursprünglich war eine Bauzeit von rund fünf Jahren veranschlagt. Dass so ein Großprojekt Spuren im Stadtbild hinterlässt, zeigt sich auch abseits des Rheinpegels. Wie die Stadt Koblenz auf ihrer Projektseite koblenz-baut.de dokumentiert, musste etwa der Pfaffendorfer Bolzplatz dem Bauprojekt weichen, weil an seiner Stelle nun ein Baubüro und Flächen für die Südrampe gebraucht werden. Als Ausgleich können Kinder und Jugendliche aus Pfaffendorf mit der Buslinie 6 kostenlos zum Bolzplatz nach Horchheim fahren — von der Seifenbachstraße bis zur Haltestelle Mendelssohn, hin und zurück.

Auch auf den Wiesen hinter dem Koblenzer Schloss hat der Brückenbau seine Spuren hinterlassen: Anfang 2021 wurden dort 50 Bäume mit einem speziellen Verpflanzungsfahrzeug ausgehoben und an anderer Stelle im Stadtgebiet neu gepflanzt. Und weil auch der Parkplatz neben dem Schloss als Baufeld gebraucht wird, hat die Stadt im Bereich des Traubenträgerbrunnens an den Kaiserin-Augusta-Anlagen einen Ersatzparkplatz mit 140 Stellplätzen geschaffen. Werktags nach Dienstschluss sowie an den Wochenenden steht er allen offen — montags bis donnerstags von 17 bis 2 Uhr, freitags durchgehend bis Montagfrüh um 2 Uhr. Die Kosten dafür liegen laut Tiefbauamt bei rund 450.000 Euro, nach Abschluss der Bauarbeiten kommen für den Rückbau noch einmal etwa 80.000 Euro hinzu.

Geduld gehört zum Baufortschritt dazu

Ein Brückenbau dieser Größenordnung ist kein Sprint, sondern ein langer Weg mit vielen kleinen und großen Abhängigkeiten — Lieferketten, Vormontage, Logistik und eben auch das Wetter. Dass ausgerechnet der Wasserstand des Rheins jetzt den Takt vorgibt, zeigt, wie eng Infrastruktur und Natur hier verzahnt sind. Wer regelmäßig über die alte Pfaffendorfer Brücke fährt oder am Ufer entlangspaziert, hat ohnehin ein Gefühl dafür, wie sich der Fluss im Jahresverlauf verändert. Jetzt bleibt nur: abwarten, bis der Rhein wieder genug Wasser führt, damit die beiden tonnenschweren Bauteile ihren Weg nach Koblenz finden. Bis dahin bleibt die Brücke das, was sie seit 2023 ist — eine Baustelle im Werden, mitten im Herzen der Stadt.

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