
Mülheim-Kärlich übergibt das Tauris an die VG Weißenthurm: einstimmiger Stadtratsbeschluss, Kompromiss mit der FWG und ein Konzept für ganzjähriges Schwimmen.
Manchmal dauert eine Entscheidung ihre Zeit. Und manchmal lohnt sich das Warten. Das Tauris in Mülheim-Kärlich, lange ein Sorgenkind zwischen Sanierungsstau und offenen Fragen, hat jetzt eine klare Richtung. Nach einer langen Sitzung mit einstündigem nicht-öffentlichem Teil und einer Unterbrechung zwischendurch hat der Stadtrat von Mülheim-Kärlich entschieden: Das Gelände soll an die Verbandsgemeinde Weißenthurm gehen. Die Rhein-Zeitung berichtet, dass dieses Ergebnis der eigentliche Kern der Verhandlungen war – Mülheim-Kärlich bietet der VG das Tauris an.
Wer die Diskussion um das Freizeitbad in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß: Das war kein Selbstläufer. Umso bemerkenswerter ist jetzt, wie breit der Rückhalt für diesen Schritt ausfällt.
Wie Merkurist unter Berufung auf die CDU-Fraktion berichtet, fiel der Beschluss im Stadtrat einstimmig – bei Enthaltung des Stadtbürgermeisters. CDU und SPD hatten sich gemeinsam für diesen Weg starkgemacht, auch die FWG-Fraktion trug das Ergebnis am Ende mit. Das ist insofern bemerkenswert, als solche Mehrheiten über Fraktionsgrenzen hinweg bei strittigen Infrastrukturthemen keine Selbstverständlichkeit sind.
Ausschlaggebend für die breite Zustimmung war laut CDU eine Rede des VG-Bürgermeisters, der im Stadtrat eine klare Perspektive für den Standort aufgezeigt hat. Genau diese Perspektive ist es, die jetzt zählt – denn ein leerstehendes Bad hilft niemandem, eine konkrete Idee dagegen schon.
Das Konzept, das im Stadtrat vorgestellt wurde, sieht eine öffentlich nutzbare Lösung vor: ganzjähriges Schwimmen für Schulen, Vereine und die Bevölkerung. Das Schwimmangebot soll dabei nicht isoliert stehen, sondern in ein Gesamtkonzept mit weiteren Sport- und Freizeitangeboten eingebunden werden. Auch das bestehende Tauris-Gebäude soll darin seinen Platz finden, wie Merkurist berichtet.
Das Schulschwimmen war den Befürwortern dabei besonders wichtig. Die CDU Mülheim-Kärlich betont, dass Kinder vor Ort schwimmen lernen können sollen und der Standort wieder für die Menschen nutzbar werden soll. Wer selbst mit dem Bus zur Schwimmstunde ins Nachbarbad gefahren ist, weiß, wie viel ein eigenes Bad vor Ort wert sein kann.
Dass am Ende alle Fraktionen zustimmten, war kein Automatismus. Die FWG-Fraktion trug den Beschluss erst mit, nachdem ein Kompromiss gefunden wurde. Wie die SPD laut Merkurist berichtet, soll die Verbandsgemeinde prüfen, wie mögliche Steuerpflichten für die Stadt nach der Herausgabe des Bades reduziert werden können. Wichtig dabei: Die Übertragung selbst soll davon nicht abhängig gemacht werden. Das Thema Steuern wird also weiterverfolgt, bremst den eigentlichen Prozess aber nicht aus.
Die CDU bezeichnet den fraktionsübergreifenden Beschluss als starkes Signal. Und tatsächlich – wenn sich Rat und Verwaltung nach monatelangem Ringen auf einen gemeinsamen Weg einigen, ist das mehr als nur eine Formalie. Es ist die Grundlage, auf der jetzt weitergebaut werden kann.
Mit dem Beschluss der Stadt ist der nächste Schritt klar umrissen: Die Gremien der Verbandsgemeinde Weißenthurm müssen nun die weiteren Voraussetzungen schaffen und die Umsetzung des vorgestellten Konzepts voranbringen. Das bedeutet politische Arbeit, Planungsschritte und am Ende sicher auch Entscheidungen über Finanzierung und Zeitplan.
Für alle, die in der Region zwischen Rhein und Mosel zu Hause sind, bleibt das Tauris damit ein Thema, das man im Blick behalten sollte. Ein Freizeitbad ist schließlich mehr als ein Ort zum Schwimmen – es ist ein Treffpunkt, ein Lernort für Kinder, ein Stück Alltag. Wenn aus dem jetzigen Beschluss tatsächlich ein neues Schwimmbad für die ganze Verbandsgemeinde wird, profitieren davon nicht nur Mülheim-Kärlich, sondern auch die umliegenden Gemeinden.
Bis dahin heißt es: abwarten, was die Gremien in Weißenthurm aus dieser Steilvorlage machen. Der erste große Schritt ist gemacht. Der nächste liegt jetzt woanders – und vielleicht ist das auch gut so.






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