
Der VG-Rat Weißenthurm hat die Übernahme des Tauris-Geländes in Mülheim-Kärlich beschlossen: Neues Hallenbad geplant, viele Details aber noch offen.
Sechs Jahre stand das Tauris in Mülheim-Kärlich leer. Jetzt bewegt sich etwas, und zwar konkret. Der Rat der Verbandsgemeinde Weißenthurm hat zugestimmt, das Gelände zu übernehmen. Wer das Thema schon länger verfolgt, weiß: Der Stadtrat von Mülheim-Kärlich hatte seine Zustimmung bereits gegeben, jetzt zieht die VG nach. Zwei Gremien, zwei Ja-Stimmen, ein Projekt, das langsam Kontur bekommt.
Das Grundstück geht per Erbbaurecht an die Verbandsgemeinde, das bestehende Gebäude wechselt für einen symbolischen Euro den Besitzer. Klingt nach Schnäppchen, ist aber vor allem eins: ein klares Bekenntnis, dass der Standort erhalten bleiben soll, auch wenn das alte Gebäude selbst keine wirtschaftliche Zukunft mehr hat.
Nach Angaben der Verbandsgemeinde Weißenthurm stimmten 25 Ratsmitglieder für die Übernahme, drei enthielten sich, fünf votierten dagegen. Die CDU-Fraktion aus Mülheim-Kärlich ergänzte nach der Sitzung, dass CDU, SPD und Grüne geschlossen zustimmten, während es in der FWG-Fraktion sowohl Gegenstimmen als auch Enthaltungen gab. Ein Ergebnis also, das nicht einstimmig ausfiel, aber eine klare Mehrheit zeigt.
VG-Bürgermeister Thomas Przybylla brachte die Motivation in der Sitzung auf den Punkt: Die Übernahme soll die Voraussetzungen schaffen, dass am etablierten Tauris-Standort auch künftig Schwimmen, Sport und Freizeit möglich sind. Entscheidend sei, dass das Gelände eine Zukunft hat und den Menschen in der Verbandsgemeinde und der Region weiterhin zur Verfügung steht.
Herzstück des Beschlusses ist ein neues, ganzjährig nutzbares Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken und fünf Bahnen. Damit soll vor allem das Schul- und Vereinsschwimmen in der Region gesichert werden, aber auch Bürgerinnen und Bürger sollen das Becken nutzen können. Wer in den vergangenen Jahren mit seinen Kindern zum Schwimmunterricht weite Wege in Kauf nehmen musste, bekommt damit zumindest eine Perspektive für die Zukunft.
Was darüber hinaus mit dem Gelände passiert, ist noch offen. Der ursprüngliche, weiterreichende Vorschlag von Bürgermeister Przybylla sah zusätzlich ein Außenbecken mit Liegewiese, einen Wasserspielplatz und die Umwandlung des alten Tauris-Gebäudes in eine Sport- und Freizeithalle vor. Auch die bestehende Sauna sollte erhalten bleiben, betrieben von einem privaten Pächter. Über all das wurde am Mittwoch noch nicht final entschieden. Laut der Verbandsgemeinde gibt es für den Saunabereich zumindest Überlegungen, verschiedene Möglichkeiten sollen nun geprüft werden. Der VG-Rat will sich diesen Punkten in den kommenden Sitzungen Schritt für Schritt widmen.
Wie die Verbandsgemeinde Weißenthurm mitteilt, hatte die Stadt Mülheim-Kärlich intensiv versucht, einen privaten Investor für das Tauris zu finden. Diese Bemühungen haben aber gezeigt, dass eine Wiederbelebung des bestehenden Schwimmbereichs wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive bietet. Deshalb der Schwenk: statt Sanierung des Altbestands ein Neubau an gleicher Stelle. Die Rhein-Zeitung hatte in ihrer Berichterstattung zur Causa Tauris bereits aufgegriffen, wie viel Kritik und Spott es gab, als bekannt wurde, dass neben einem leerstehenden Schwimmbad ein komplett neues Hallenbad samt Freibad entstehen soll. Verständlich, dass das auf den ersten Blick absurd klingt. Auf den zweiten Blick ist es aber die logische Konsequenz aus Jahren vergeblicher Investorensuche.
Die Sitzung des VG-Rates hatte noch weitere Themen auf der Agenda, die zeigen, wie breit das Aufgabenspektrum einer Verbandsgemeinde ist. So soll eine befristete Stelle für ein Klimaanpassungsmanagement eingerichtet werden, um Herausforderungen durch Starkregen, Hochwasser und Hitzeperioden besser zu begegnen. Dafür kann eine Förderung von bis zu 275.000 Euro bei einer Förderquote von 80 Prozent beantragt werden.
Außerdem ging es um die Grundschule St. Georg in Urmitz/Rhein: Die Verbandsgemeinde übernimmt zum 1. Januar 2027 die Schulträgerschaft, was auch die räumliche und pädagogische Weiterentwicklung der Schule voranbringen soll. Für die Außengelände der Kindertagesstätten St. Georg in Urmitz/Rhein und Don Bosco in Mülheim-Kärlich konnten die Kosten durch Anpassungen der Planung deutlich gesenkt werden. Und auch im Tierschutz tut sich etwas: Der einwohnerbezogene Pauschalbetrag für die Unterbringung von Fundtieren im Tierheim Andernach steigt ab 1. Januar 2027 von 1,50 Euro auf 2 Euro je Einwohner, im Haushalt 2027 sind dafür rund 71.000 Euro eingeplant.
Die nächste Sitzung des VG-Rates ist für den 16. Dezember 2026 angesetzt, öffentlich und für jeden zugänglich, der sich einbringen möchte. Bis dahin dürfte klarer werden, wie es mit Außenbecken, Saunabereich und der alten Halle weitergeht. Für alle, die in der Region groß geworden sind und ihre ersten Bahnen im Tauris geschwommen sind, ist das jetzt vor allem eine gute Nachricht: Der Standort bleibt, auch wenn er ein neues Gesicht bekommt. Vielleicht ist das ja das Schöne an Veränderung — manches bleibt, auch wenn sich drumherum alles ändert.






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