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Stieffenhofer-Areal in Güls: Lidl plant, die Stadt bremst

Lidl will das alte Stieffenhofer-Areal in Koblenz-Güls entwickeln, die Stadt bevorzugt eine Grünfläche. Was hinter dem Streit um die Brache an der B416 steckt.

Redaktion
·
1. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Eine Brache mit langer Geschichte

Wer über die B416 Richtung Winningen fährt, kommt am Ortsrand von Güls an einem Stück Koblenz vorbei, das seit Jahren einfach nur daliegt. Das alte Stieffenhofer-Areal, eingezäunt und verlassen, gehört zu den Flächen, an denen man sich beim Vorbeifahren irgendwann fragt: Was wird eigentlich daraus? Diese Frage bekommt jetzt neue Aktualität — und einen prominenten Namen.

Wie die Rhein-Zeitung berichtet, gibt es neue oder zumindest neu formulierte Pläne für das Gelände. Hinter diesen Plänen steckt kein kleiner Investor, sondern Lidl, der zweitgrößte Discounterkonzern der Welt hinter Aldi.

Lidl ist seit 2024 Eigentümer

Dass der Discounter überhaupt im Spiel ist, bestätigt das Unternehmen selbst. Eine Lidl-Sprecherin erklärte gegenüber der Rhein-Zeitung, wie das Online-Magazin Merkurist berichtet: Man sei seit 2024 Eigentümer des Grundstücks in Koblenz-Güls. Aktuell befinde man sich in der Planungsphase und stehe dazu im Austausch mit der Stadt Koblenz. Zu konkreten Inhalten, Zeitplänen oder der künftigen Nutzung könne das Unternehmen derzeit aber nichts sagen, da es sich um ein laufendes Vorhaben handle. Weitere Informationen seien frühestens im Januar des kommenden Jahres zu erwarten.

Viel Zurückhaltung also von Unternehmensseite. Und genau diese Zurückhaltung lässt Raum für die Frage, die in Güls gerade viele bewegt: Wird aus der Brache ein neuer Supermarkt an der Bundesstraße?

Die Stadt will etwas anderes

Genau hier liegt der Knackpunkt. Laut Stadt-Pressesprecher Andreas Egenolf sind die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für das Areal unverändert — und die sehen vor, den Bereich in Richtung Mosel als Grünfläche zu entwickeln. Großflächiger Einzelhandel soll dort gerade nicht entstehen.

„Diesem Ziel stehen die Planungen des Eigentümers entgegen, der hier eine Einzelhandelsansiedlung plant“, wird Egenolf von Merkurist zitiert. Die Stadt sieht in einer Verlagerung von Einzelhandel an die B416 keinen Gewinn für die Stadtentwicklung. Im Gegenteil: Das Ziel sei es, das bestehende Ortszentrum von Güls zu sichern und zu stärken. Derzeit würden weitere Optionen mit allen Beteiligten geprüft, heißt es von städtischer Seite.

Warum der Ortskern so wichtig ist

Hinter der Haltung der Stadt steckt eine Sorge, die in vielen Stadtteilen mit einem zentralen Supermarkt bekannt ist: Was passiert mit dem Ortskern, wenn der Nahversorger an den Rand zieht? Lokalpolitiker befürchten laut Merkurist genau das — dass der innerörtliche Markt an die Bundesstraße abwandert, um sich dort zu vergrößern.

Das klingt erst mal nach einer rein wirtschaftlichen Frage. Ist es aber nicht nur. Gerade für ältere Menschen ist ein Supermarkt im Ortskern oft mehr als ein Ort zum Einkaufen. Er ist Anlaufstelle, kurzer Fußweg, ein Platz für den kleinen Plausch zwischendurch. Verschwindet er aus der Mitte, verschwindet ein Stück Alltag mit ihm — und das lässt sich nicht einfach durch einen größeren Parkplatz an der Hauptstraße ersetzen.

Ein Gelände, zwei Zukunftsbilder

Auf der einen Seite steht also ein Konzern mit konkretem Interesse an einer Einzelhandelsansiedlung. Auf der anderen Seite eine Stadtverwaltung, die das Areal lieber grün sehen würde und den Ortskern von Güls nicht schwächen will. Zwei Vorstellungen davon, was aus einem Stück Brachland werden soll — und beide haben gute Argumente.

Was am Ende daraus wird, ist offen. Die Stadt spricht von laufenden Prüfungen mit allen Beteiligten, Lidl verweist auf eine Planungsphase ohne öffentliche Details vor Januar. Bis dahin bleibt das Stieffenhofer-Areal das, was es schon seit Jahren ist: eine Fläche, an der sich zeigt, wie viel Verhandlungsarbeit hinter der Entwicklung eines Ortsteils steckt, bevor überhaupt der erste Spatenstich fällt.

Wer in Güls wohnt, kennt die Fläche an der B416 ohnehin schon lange nur als Durchfahrtsstation. Vielleicht lohnt sich beim nächsten Vorbeifahren trotzdem ein zweiter Blick — denn genau dort entscheidet sich gerade ein Stück Zukunft des Ortsteils.

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