
Ein neues Graffiti in Koblenz setzt zum Welthospiztag ein buntes Zeichen für die Hospizarbeit – entstanden mit Haupt- und Ehrenamtlichen des Koblenzer…
Geht ihr manchmal durch den Durchgangsbereich zwischen Herz-Jesu-Kirche und dem Bahnhaltepunkt Stadtmitte? Dann ist euch dort seit Kurzem etwas Neues aufgefallen: ein großflächiges Graffiti in kräftigen Farben, mit dem Titel „So bunt wie das Leben“. Es ist kein zufälliges Kunstwerk, sondern eins mit klarer Botschaft, und die lohnt sich zu erzählen.
Entstanden ist das Werk anlässlich des Welthospiztags am 10. Oktober. An diesem Tag wird weltweit auf die Bedeutung von Hospizarbeit und Palliativversorgung aufmerksam gemacht – und darauf, wie wichtig es ist, Menschen am Lebensende und ihre Angehörigen nicht allein zu lassen, wie der Koblenzer Hospizverein mitteilt. Genau deshalb hat der Verein die Aktion ins Leben gerufen: um ein sichtbares Zeichen zu setzen, mitten in der Stadt, dort wo täglich viele Menschen vorbeikommen.
Realisiert hat das Graffiti der Künstler Daniel Schmitz. Wie die Rhein-Zeitung berichtet, steckte er rund 40 Stunden Arbeit in das großflächige Werk. Dabei war er nicht allein unterwegs: Haupt- und Ehrenamtliche aus verschiedenen Bereichen des Vereins sowie Angehörige griffen selbst zur Spraydose und wurden Teil des Kunstwerks, wie der Koblenzer Hospizverein schreibt. Das macht die Wand zu mehr als nur einem Kunstobjekt – sie trägt die Handschrift vieler Menschen, die mit der Hospizarbeit in Koblenz verbunden sind.
Das kennt ihr vielleicht aus anderen Zusammenhängen: Wenn ein Projekt nicht von einer einzelnen Person, sondern von vielen gemeinsam getragen wird, bekommt es eine andere Tiefe. Genau das scheint hier der Fall zu sein. Menschen, die sonst im Hintergrund der Pflege, der Begleitung oder der Trauerarbeit stehen, haben sich sichtbar gemacht – mit Farbe an einer Wand, die jeder sehen kann, der durch die Koblenzer Innenstadt geht.
Wer den Namen Hospizverein hört, denkt vielleicht zuerst an etwas Schweres, an Abschied und Trauer. Und ja, das gehört dazu. Aber der Verein selbst beschreibt seine Arbeit anders: Der Hospizgedanke basiert auf einer bejahenden Haltung zum Leben und zum Tod, denn Sterben ist Leben – Leben vor dem Tod, so formuliert es der Koblenzer Hospizverein auf seiner Website. Genau diese Haltung spiegelt sich im Titel des Graffitis wider: So bunt wie das Leben. Hospiz.
Gegründet wurde der Verein 1991. Er arbeitet gemeinnützig und mildtätig und vereint unter dem Dach des ambulanten Hospizes in Koblenz mehrere Angebote: den ambulanten Hospizdienst und die spezialisierte Palliativversorgung für Erwachsene, ein ambulantes Kinder- und Jugendhospiz sowie die spezialisierte Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche. Das stationäre Hospiz St. Martin ist dabei Kooperationspartner. Wer also schwerstkrank ist oder einen nahestehenden Menschen in dieser Situation begleitet, findet hier Anlaufstellen – ambulant, also dort, wo die Menschen leben, nicht nur in einer stationären Einrichtung.
Der Welthospiztag ist für den Verein offenbar kein einmaliger Anlass, der einfach vorbeizieht. Rund um dieses Datum hat der Koblenzer Hospizverein in diesem Jahr gleich mehrere Formate angestoßen. Vom 23. bis 25. Oktober wird der Koblenzer Hauptfriedhof im Rahmen des Projekts „Achsenwechsel“ zu einem Ort der Begegnung, der Musik und des Innehaltens, wie der Verein ankündigt. Und am 8. November verwandelt sich die St. Josef Kirche in Koblenz in eine Konzertbühne: Vier Chöre singen dort zugunsten des ambulanten Kinder- und Jugendhospizes.
Daneben gibt es regelmäßige, niedrigschwellige Angebote wie das Trauercafé und den offenen Trauergesprächskreis in der Geschäftsstelle des Vereins – ohne Anmeldung, ohne Vorgespräch, einfach die Möglichkeit, bei einer Tasse Kaffee mit anderen Trauernden oder einer Trauerbegleiterin ins Gespräch zu kommen. Man merkt: Hier geht es nicht um ein einzelnes Event, sondern um ein ganzes Netz aus Unterstützung, das über das Jahr hinweg gespannt ist.
Graffiti kennt man oft als spontane Straßenkunst, manchmal auch als Streitpunkt zwischen Kunst und Schmiererei. Hier ist es etwas anderes: ein bewusst gesetztes Zeichen an einem zentralen Ort in Koblenz, das Passanten zum Stehenbleiben bringen soll – und vielleicht zum Nachdenken darüber, wie wichtig Begleitung am Lebensende ist. Wer früh morgens zur Arbeit geht oder abends am Bahnhaltepunkt Stadtmitte wartet, läuft jetzt an einem Werk vorbei, das still, aber bestimmt daran erinnert: Sterben gehört zum Leben, und niemand sollte dabei allein sein.
Vielleicht ist das die eigentliche Stärke dieser Aktion. Sie drängt sich nicht auf, sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit – sie steht einfach da, bunt und einladend, mitten im Alltag der Stadt. Und genau dort, im Alltäglichen, entfaltet sie ihre Wirkung am besten. Wer das nächste Mal durch den Durchgang zwischen Herz-Jesu-Kirche und Stadtmitte geht, hat vielleicht einen Moment länger hin.






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