
Die Schachbundesliga ist gestartet: Neuer Dreier-Spielplan, Titelverteidiger Viernheim gegen Baden-Baden und Heimbach-Weis-Neuwied mittendrin im Spitzenfeld.
Schach und Koblenz, das gehört enger zusammen, als man denkt. Nur ein paar Kilometer rheinaufwärts liegt Neuwied — und genau dort trägt der SC Heimbach-Weis-Neuwied seine Bundesliga-Saison aus. Am vergangenen Wochenende ging es los, mit einem Format, das es in dieser Form noch nicht gab. Wer samstags lieber am Brett sitzt als vorm Fernseher, hatte gute Gründe, genauer hinzuschauen.
Die Schachbundesliga ist am Freitag, 9. Oktober, in die Saison 2026/27 gestartet — und das gleich mit voller Wucht. Wie der Deutsche Schachbund über seine Verbandsseite mitteilt, wurde der Spielplan deutlich gestrafft: Statt sieben Wochenenden gibt es in dieser Saison nur noch fünf Spieltermine, an denen jeweils drei Runden an einem Stück ausgetragen werden. Das erste Wochenende führte die 16 Mannschaften vom 9. bis 11. Oktober an vier Spielorte.
Für die Vereine bedeutet das: keine Zeit zum Eingewöhnen. Drei Mannschaftskämpfe binnen drei Tagen zeigen sofort, welche Teams ihre Spitzenspieler tatsächlich aufs Brett bringen können — und welche auch ohne Stammkräfte stabil bleiben. Das neue Format soll laut Verbandsangaben vor allem die Terminplanung erleichtern, Reiseaufwand reduzieren und Überschneidungen mit internationalen Turnieren seltener machen. Am Grundprinzip ändert sich nichts: 16 Mannschaften kämpfen an acht Brettern um Mannschaftspunkte, am Ende entscheiden die Gesamtpunkte über Meisterschaft und Abstieg. Die Saison endet vom 2. bis 4. April 2027 mit der zentralen Endrunde — in Neuwied.
Und damit zur Region: Der SC Heimbach-Weis-Neuwied bekam es zum Auftakt gleich mit einem der ganz großen Namen der Liga zu tun. Nach einem ersten Spieltag folgte für die Neuwieder am Samstag das Duell mit Titelverteidiger SC Viernheim, der Mannschaft mit Nodirbek Abdusattorov, Jan-Krzysztof Duda, Jorden van Foreest und Shakhriyar Mamedyarov an der Spitze. Am Sonntag ging es dann gegen SV Werder Bremen weiter, wo mit Faustino Oro ein besonderes Talent aufläuft: Der erst zwölfjährige Argentinier gilt als zweitjüngster Großmeister der Schachgeschichte.
Wer sich fragt, wie ein Verein aus der Region mit solchen Gegnern mithalten will — genau das macht die Bundesliga ja aus. Die Setzliste sagt nicht alles. Schon in der vergangenen Saison hat sich gezeigt, dass es am Ende nicht nur auf die Namen auf dem Papier ankommt, sondern darauf, wer tatsächlich am Brett sitzt. Das gilt für die ganz Großen genauso wie für Mannschaften aus der zweiten Reihe.
An der Spitze bleibt das Bild vertraut. SC Viernheim geht als amtierender Meister ins Rennen, die OSG Baden-Baden gilt nach der Setzliste erneut als stärkstes Team — mit einem Elo-Schnitt von 2718,5 gegenüber 2692,6 bei Viernheim, wie aus der Statistik von ChessBase hervorgeht. Baden-Baden hat seinen Kader dafür spürbar umgebaut: Anish Giri, Alireza Firouzja und Levon Aronian sind nicht mehr dabei, dafür kamen unter anderem die deutschen Spitzenspieler Matthias Blübaum und Dimitrij Kollars sowie Shamsiddin Vokhidov und Maxime Lagarde hinzu. Fabiano Caruana, Javokhir Sindarov, Vincent Keymer, Viswanathan Anand und Maxime Vachier-Lagrave bleiben im Aufgebot.
Baden-Baden startete am Freitag gegen die SG Solingen, traf am Samstag auf Aufsteiger SC Remagen Sinzig und spielte am Sonntag beim SV Deggendorf. Ob die PS tatsächlich auf die Schachbretter gebracht werden, war schon in der vergangenen Saison die entscheidende Frage — genau daran will der Verein in dieser Spielzeit arbeiten.
Auch abseits der beiden Favoriten tut sich einiges. Der FC St. Pauli geht erneut mit Magnus Carlsen als gemeldetem Spitzenspieler an den Start, dahinter steht mit Richard Rapport ein weiterer Weltklassemann. Ob Carlsen tatsächlich zum Einsatz kommt, blieb wie in den Vorjahren offen. Der FC Bayern München hat mit Nodirbek Yakubboev nachgelegt, der hinter Vladimir Fedoseev am zweiten Brett spielen soll. Beide Vereine trafen im Laufe des ersten Wochenendes unter anderem auf den Hamburger SK und MSA Zugzwang.
Für die drei Neulinge beziehungsweise Rückkehrer begann die Saison alles andere als sanft. Neben dem SV Erkenschwick 1923, der direkt gegen Meister Viernheim antreten musste, bekam es auch der SC Remagen Sinzig gleich mit Baden-Baden zu tun — nach dem Auftakt gegen Deggendorf und vor dem Duell mit Solingen. Für Remagen Sinzig ist Vassyl Ivanchuk an Brett eins gesetzt, die weiterhin sehr aktive Schachlegende ist dem Verein seit vielen Jahren verbunden. Bad Mergentheim wiederum eröffnete gegen den Düsseldorfer SK, gefolgt von Partien gegen die SF Berlin und SK Kirchweyhe.
Eine Neuerung betrifft alle Fans gleichermaßen: Der Deutsche Schachbund hat mit SchachdeutschlandTV eine umfassende Live-Berichterstattung gestartet, die über YouTube und Twitch die komplette Liga begleitet — nicht mehr nur einzelne Vereine. Zum Auftakt kommentierten WGM Josefine Safarli und WCM Katharina Reinecke. Daneben bleiben die vereinseigenen Formate bestehen: Der SC Viernheim sendet weiterhin mit GM Ilja Zaragatski und Angelika Valkova, beim FC Bayern München kommentierte GM Klaus Bischoff die Partien aus München, wo MSA Zugzwang als Gastgeber fungierte.
Drei Runden an einem Wochenende, sechs mögliche Mannschaftspunkte binnen 48 Stunden — das verändert das Tempo der ganzen Saison. Und mittendrin: ein Verein aus der Region, der sich gegen Weltklasse-Teams behaupten muss. Vielleicht schaut man demnächst beim Kaffee nicht nur auf die Fußballtabelle, sondern auch mal auf die Schachbundesliga-Ergebnisse aus Neuwied. Manchmal steckt die größte Spannung eben nicht im Tor, sondern im nächsten Zug.






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