
Bei Bad Ems entdeckten Archäologen 2019 erstmals hölzerne Römerspieße im archäologischen Kontext.
Es gibt Funde, die schreiben Wissenschaftsgeschichte. Einer davon liegt — im wahrsten Sinne — ganz in unserer Nähe: am Blöskopf bei Bad Ems. Was dort 2019 aus dem Boden kam, hat Archäologen weltweit aufhorchen lassen. Und jetzt ist der Befund auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz zu sehen.
Dass am Blöskopf bei Bad Ems römische Gebäudereste und ein Befestigungsgraben existieren, ist keine neue Entdeckung. Seit mehr als hundert Jahren weiß die Forschung davon, und mehrfach haben dort bereits Ausgrabungen stattgefunden. Doch was die Bodendenkmalpflege so lange übersehen hatte, brachte erst eine Untersuchung im Jahr 2019 ans Licht.
Damals führten die Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Landesarchäologie Koblenz gemeinsam ein Forschungsprojekt am Standort durch. Das Ergebnis: Im Graben der Anlage lagen bestens erhaltene hölzerne Spieße — in präziser Anordnung, als wären sie für den nächsten Feind bereitgestellt. Genau das waren sie auch: Annäherungshindernisse, die potenzielle Angreifer aufhalten, verlangsamen oder verletzen sollten.
Diese Verteidigungstechnik war in der Antike keine Unbekannte. Julius Caesar hat solche Annäherungshindernisse in seinen Schriften beschrieben — spitze Pfähle und Fallen im Vorfeld römischer Befestigungen, die Germanen auf Abstand halten sollten. Was bislang fehlte, war der archäologische Nachweis: ein echter, erhaltener Befund im originalen Kontext.
Den liefert nun Bad Ems. Wie die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz mitteilt, wurden die Spieße vom Blöskopf erstmals im archäologischen Zusammenhang entdeckt. Das macht den Fund zu einer kleinen wissenschaftlichen Sensation — und zu einem Beleg dafür, dass die Römer ihre Grenzsicherung nicht dem Zufall überließen.
Die Spieße und weitere Funde der Ausgrabungen sind derzeit im Rahmen der Ausstellung „Der aktuelle Fund“ im Haus der Archäologie auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz zu sehen. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz präsentiert die Objekte dort erstmals umfassend der Öffentlichkeit — von 10 bis 18 Uhr, als Teil des laufenden Programms der Festung.
Wer früh aufsteht, hat den Rhein für sich. Wer den Nachmittag nutzt, hat auf der Ehrenbreitstein gerade die Chance, einem Stück Geschichte direkt gegenüberzustehen: Holz aus einem Graben, zweitausend Jahre alt, noch immer in Form.
Die Rhein-Mosel-Region ist keine neutrale Kulisse für die Römerzeit — sie war Grenzgebiet, Aufmarschzone, Rückzugsraum. Bad Ems liegt keine Autostunde von Koblenz entfernt, und der Limes verlief durch genau diese Landschaft. Dass ausgerechnet hier ein Befund auftaucht, der in keiner Ausgrabung zuvor nachgewiesen werden konnte, passt zur Geschichte dieser Region: Immer wieder überrascht sie.
Das kennt ihr, oder? Dieses Gefühl, wenn man an einer vertrauten Stelle plötzlich merkt, wie viel dort schon passiert ist. Auf der Brücke über die Mosel, auf dem Weg zur Arbeit — und jetzt auf der Festung, ein paar Schritte vom Deutschen Eck entfernt, in einem Ausstellungsraum mit Holzspießen, die einmal echte Feinde aufhalten sollten.
Es lohnt sich, hinzugehen. Nicht wegen des Hypes, sondern wegen der Stille, die ein solcher Fund auslöst.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Antenne Koblenz
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.