
Neuwied bezwingt Meister Hannover Scorpions, Tilburg verliert erstmals: Alle Ergebnisse und Highlights vom Spieltag in der Oberliga Nord im Überblick.
Wer am Sonntagabend durchs Icehouse in Neuwied gelaufen ist, hat vermutlich eine ganze Weile gebraucht, um zu realisieren, was da gerade passiert ist. Die Bären Neuwied, erst frisch zurück in der Oberliga, haben den amtierenden Nord-Meister Hannover Scorpions mit 4:3 bezwungen. Vor 1.016 Zuschauern war das bereits der vierte Sieg der Neuwieder seit ihrem Wiedereinstieg in die Liga – und einer, der zeigt, dass sich der Aufwand lohnt, so ein Team wieder aufzubauen.
Die Partie blieb lange ausgeglichen. Dominik Holzhausen brachte die Scorpions im ersten Drittel in Führung, ehe Neuwied im zweiten Abschnitt zweimal traf und sich eine 2:1-Führung erarbeitete. Richtig spannend wurde es im letzten Drittel: Supis glich für Hannover aus, doch die Bären antworteten postwendend, zogen mit zwei schnellen Treffern auf 4:2 davon. Team-Topscorer Jusso Rajala setzte in der 50. Minute den entscheidenden Akzent. Die Scorpions kamen durch Kirsch zwar noch einmal auf 4:3 heran, mehr war aber nicht mehr drin.
Wer am Sonntag durch die Ergebnisse der Oberliga Nord geschaut hat, konnte fast überall dasselbe Muster entdecken: eng, spannend, oft erst in den letzten Minuten entschieden. Lässt man die Treffer ins leere Tor außen vor, endeten sämtliche Partien des Spieltags mit nur einem Tor Unterschied – eine davon sogar erst in der Verlängerung.
Genau diese Verlängerung bescherte den Tilburg Trappers ihre erste Saisonniederlage. Bis dahin waren die Niederländer das Maß aller Dinge gewesen. Beim Herforder EV lagen sie zunächst zurück, drehten die Partie dann mit einem Doppelschlag binnen 26 Sekunden im zweiten Drittel auf 2:1 – ehe HEV-Kapitän Jackson Pierson noch vor der zweiten Pause ausglich. Im torlosen Schlussdrittel blieb es dabei, bis Pierson in der dritten Minute der Verlängerung zuschlug und Herford den Extrapunkt sicherte. Immerhin: Tilburg nimmt einen Zähler mit, die Tabellenführung bleibt also nicht ganz unangetastet, aber die Serie ist gerissen.
Auf der anderen Seite der Tabelle tut sich die TecArt Black Dragons Erfurt weiterhin schwer. Gegen die Hammer Eisbären führten die Thüringer nach nur 52 Sekunden, gerieten eine Viertelstunde später aber bereits mit 1:3 in Rückstand. Zwar konnten sie noch vor der zweiten Pause ausgleichen, doch acht Minuten vor Schluss traf Pontus Wernerson Libäck zum 4:3 für Hamm – sein erstes Saisontor, zugleich der Siegtreffer. Bemerkenswert: Die gesamte Partie verlief ohne eine einzige Strafzeit. Für Erfurt ist es bereits die vierte Niederlage in Folge, die Mannschaft bleibt im Oktober ohne Punkte. Die Hammer Eisbären dagegen holten ihren dritten Sieg aus den letzten vier Spielen.
Für ausgelassene Stimmung sorgte dagegen die KSW IceFighters Leipzig. Beim Herner EV lagen die Sachsen dreimal in Führung, dreimal kämpfte sich Herne zurück – ehe Reid Stefanson dreieinhalb Minuten vor dem Ende den 4:3-Siegtreffer erzielte. Mit 40:16 Torschüssen war Leipzig über weite Strecken das spielbestimmende Team, auch wenn sich das nicht in einem deutlicheren Ergebnis niederschlug. Für die IceFighters war es das erste Sechs-Punkte-Wochenende der laufenden Saison.
Die Hannover Indians mussten vor 2.324 Zuschauern am Pferdeturm ihre dritte Niederlage in Serie hinnehmen. Nach zwei ausgeglichenen Dritteln entschieden die Füchse Duisburg die Partie spät: Michael Fomin traf in der 48. Minute, Luis Üffing setzte 29 Sekunden vor der Schlusssirene mit einem Treffer ins leere Tor den Schlusspunkt zum 5:3. Für Duisburg war es bereits der fünfte Spieltag in Folge mit Punktgewinn und das erste Wochenende mit vollen sechs Zählern.
Auch in Rostock wurde es am Ende noch einmal hektisch. Die Saale Bulls Halle lagen dank dreier Powerplay-Treffer lange komfortabel mit 4:1 vorn, ehe die Piranhas sieben Minuten vor Schluss ins Spiel fanden. Mark Kaleinikovas verkürzte, Ilja Fleischmann traf zum 2:4 – und bei gezogenem Keeper gelang Kaleinikovas mit nur einer Sekunde Restspielzeit noch der 3:4-Anschluss. Zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr, Halle brachte den Sieg über die Zeit.
Die Tabelle der Oberliga Nord bewegt sich, auch wenn sich das auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so dramatisch anfühlt. Aber genau darin liegt der Reiz: Ein Aufsteiger schlägt den Titelverteidiger, ein bislang ungeschlagenes Team verliert zum ersten Mal, und mittendrin kämpfen sich Mannschaften in den Schlussminuten zurück ins Spiel, die eigentlich schon abgehakt schienen. Diskussionsstoff für die Fans gibt es jedenfalls reichlich – wer sich davon ein Bild machen will, findet im Oberliga-Nord-Forum auf esbgforum.de die laufende Diskussion rund um Kader, Gerüchte und die einzelnen Vereine der Liga.
Für alle, die sich jetzt fragen, wie es für Neuwied weitergeht: Nach so einem Wochenende lohnt sich der Blick aufs nächste Spiel gleich doppelt. Und wer das Eishockey in der Region nicht nur aus der Tabelle, sondern live erleben will, merkt sich am besten die kommenden Heimspiele gleich vor.






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