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Mehr Würde für LKW-Fahrer: Koblenzer Citykirche macht Berufsalltag sichtbar

Beim Aktionstag in der Koblenzer Citykirche ging es um faire Arbeitsbedingungen für LKW-Fahrer. Die KAB Trier fordert mehr Würde statt Wegschauen im Alltag.

Redaktion
·
12. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 6 Tagen

Ein Thema, das wir alle betrifft, auch wenn wir es selten sehen

Wer früh morgens über die Rheinbrücke fährt, sieht sie überall: LKW auf Rastplätzen, Fahrerkabinen mit zugezogenen Vorhängen, Männer und Frauen, die irgendwo zwischen zwei Lieferungen eine Pause einlegen. Was dahinter steckt, bekommen wir meistens nicht mit. Genau darum ging es am Internationalen Tag für menschenwürdige Arbeit in der Koblenzer Citykirche.

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Diözesanverband Trier hatte zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Waren fahren – Würde bewahren. Gute Arbeit auf dem Lkw“ eingeladen. Im Mittelpunkt stand ein Mittagsdialog, bei dem der LKW-Fahrer Salvatore Franco Filippone von seinem Berufsalltag berichtete.

Kochen auf der Stoßstange, Parkplatzsuche als Nervenprobe

Wie das Bistum Trier berichtet, schilderte Filippone, dass Kochen auf der Stoßstange, nervenaufreibende Parkplatzsuche und teure Sanitäranlagen für viele Fahrerinnen und Fahrer zum Alltag gehören. Er betonte, dass hinter jedem Produkt eine Reihe von Menschen steht, auch diejenigen, die es von A nach B bringen. Nach Angaben des Bistums Trier appellierte er sowohl an die Politik, etwa mit der Forderung nach einem umfassenden Lieferkettengesetz und starken Gewerkschaften, als auch an die Verantwortung jedes Einzelnen. Er erinnerte zudem an die fragwürdigen Anstellungsbedingungen ausländischer Fahrer, die für ausländische Speditionen Waren innerhalb Deutschlands transportieren.

Ein Grußwort aus der Landespolitik

Die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sendete laut Bistum Trier ein Grußwort zur Veranstaltung. Darin betonte sie, dass faire Arbeitsbedingungen Beschäftigte stärken und damit den sozialen Zusammenhalt fördern.

Gräfenhausen als Beispiel, warum das Thema drängt

Die Gesprächsrunde griff laut Bistum Trier auch die Fahrerstreiks in Gräfenhausen in Hessen auf. Dort hatten vor drei Jahren zahlreiche Fahrer gestreikt, weil sie über längere Zeit keinen Lohn von ihrem polnischen Arbeitgeber erhalten hatten. Mitglieder der KAB versorgten die Fahrer in dieser Zeit mit dem Nötigsten. Tiny Hobbs, Vorsitzender des Vereins „Sozialmaut“, erinnerte laut Bistum Trier daran, dass es weiterhin darum gehe, für die Rechte der Fahrerinnen und Fahrer zu kämpfen und Aufmerksamkeit auf deren Arbeitsbedingungen zu lenken. Der Verein setzt sich unter anderem für Sozialräume, gebührenfreie Toiletten und Trinkwasser ein.

Öffentlicher Druck als Hebel

„Ohne öffentlichen Druck passiert nichts“, wird KAB-Mitglied Michael Hommer vom Bistum Trier zitiert. Die Diözesan-Geschäftsführerin der KAB, Ruth Mareien de Bueno, zog laut Bistum Trier ein motiviertes Resümee des Tages, der mit einem gemeinsamen Gottesdienst eröffnet worden war. Es seien an diesem Tag einige Ideen entwickelt worden, um das Thema auch politisch weiter voranzubringen. Im Anschluss an den Mittagsdialog gab es einen offenen Austausch mit Begegnung und Gesprächen, der den Abschluss der Veranstaltung bildete.

Bereits einen Tag zuvor, am 7. Oktober, hatte die KAB nach eigenen Angaben einen Aktionstag zum selben Thema in Neunkirchen veranstaltet.

Wer steckt hinter der KAB

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung ist laut Bistum Trier ein bundes- und weltweit agierender Sozialverband mit rund 60.000 Mitgliedern deutschlandweit, der sich für menschenwürdige statt prekäre Arbeit einsetzt. Im Bistum Trier existiert die KAB seit 1891 und bietet unter anderem Rechtsberatung für ihre Mitglieder an. Die nächste Aktion ist für den 6. Dezember unter dem Namen „Nikolaus im Fahrerhaus“ geplant: Dann wollen KAB-Mitglieder auf Autobahnraststätten Kleinigkeiten wie Obst, Hygieneartikel und Informationsmaterial an LKW-Fahrerinnen und -Fahrer verteilen.

Vielleicht schauen wir beim nächsten Stau auf der A48 oder A61 ein bisschen genauer hin, wenn wieder ein LKW neben uns steht. Der Laden läuft schließlich nicht von allein.

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