
Die linke Rheinstrecke wird 2028 nur zwischen Köln und Koblenz saniert, der Abschnitt bis Mainz folgt erst nach 2031. Die Grünen fordern dazu Antworten.
Wer regelmäßig zwischen Koblenz und Mainz mit der Bahn unterwegs ist, kennt das Ratteln, die Verspätungen, die Umleitungen. Jetzt gibt es neue Fakten zur Zukunft der linken Rheinstrecke — und die sind durchwachsen. Die Deutsche Bahn saniert die Strecke zwischen Köln und Mainz 2028 nur zum Teil. Wie das Bundesverkehrsministerium, die Deutsche Bahn und das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium mitteilten, wird die sogenannte Korridorsanierung im Jahr 2028 zunächst nur zwischen Köln und Koblenz umgesetzt. Der Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz folgt demnach erst nach 2031.
Das klingt erstmal nach einer Enttäuschung für alle, die auf der Strecke pendeln. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als würde die linksrheinische Strecke 2028 komplett von der Liste fliegen. Insofern ist die jetzige Einigung zumindest ein Teilerfolg — auch wenn er für die Region zwischen Koblenz und Mainz noch keine echte Erleichterung bringt.
Dass die Strecke überhaupt wieder auf dem Plan steht, ist offenbar auch politischem Druck zu verdanken. Die Verkehrsminister von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Achim Schwickert und Oliver Krischer, hatten sich in einem gemeinsamen Brief an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Bahn-Chefin Evelyn Palla gegen eine Verschiebung ausgesprochen. Schwickert wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert, der Einsatz für die linke Rheinstrecke und die intensiven Gespräche hätten sich gelohnt. Man habe gemeinsam mit dem Bund eine tragfähige Lösung gefunden, die die Modernisierung voranbringe und gleichzeitig Planungssicherheit schaffe.
Bundesverkehrsminister Bilger betonte laut Mitteilung des Mainzer Verkehrsministeriums, man habe für den Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz die Bundesgartenschau 2029 fest im Blick. Wie und wann genau dort saniert wird, soll in weiteren Gesprächen zwischen Bund, Bahn und Land geklärt werden. Fest zugesagt ist bereits, dass die für die Buga relevanten Bahnhöfe bis 2028 barrierefrei werden. Bilger nannte die linke Rheinstrecke eine der wichtigsten Verkehrsadern für den Personen- und Güterverkehr in Deutschland — ein Satz, der angesichts der Verschiebung durchaus Gewicht hat.
Ganz zufrieden gibt sich die Opposition im Mainzer Landtag damit nicht. Wie die Borkener Zeitung berichtet, kritisieren die Grünen im Mainzer Landtag das Konzept von Bundesverkehrsminister Bilger und sehen bei dem Thema viele offene Fragen. Konkret geht es darum, dass die Generalsanierung zwischen Koblenz und Mainz erst nach 2031 angegangen wird — also deutlich später, als es der ursprüngliche Plan vorsah. Für Pendlerinnen und Pendler aus der Region heißt das: Die Strecke bleibt auf absehbare Zeit eine Dauerbaustelle, nur eben ohne das große Sanierungsfenster, das für den nördlichen Abschnitt bereits 2028 kommt.
Die Verschiebung bei der linken Rheinstrecke steht nicht für sich allein. Bund und Bahn wollen in den kommenden fünf Jahren bundesweit deutlich weniger vielbefahrene Strecken grundlegend sanieren als ursprünglich geplant. Statt 21 Strecken sollen bis 2031 nur noch 13 umfassend erneuert werden. Die übrigen, zunächst zurückgestellten Sanierungen werden laut Mitteilung von Bundesverkehrsministerium und Bahn erst ab 2032 priorisiert. Wann am Ende alle rund 40 geplanten Streckensanierungen abgeschlossen sein werden, ist damit offen. Ursprünglich sollte das gesamte Programm bis 2036 fertig sein.
Das Konzept der Generalsanierung stammt noch aus der Zeit des früheren Bundesverkehrsministers Volker Wissing, der selbst aus Rheinland-Pfalz kommt, und des damaligen Bahnchefs Richard Lutz. Vorgestellt wurde es im Februar 2023: Rund 40 vielbefahrene Bahnstrecken sollten über Monate gesperrt und grundlegend erneuert werden, um danach für etwa zehn Jahre weitgehend baufrei zu bleiben. Das neue Konzept bleibt bei diesem Versprechen vorsichtiger. Dort heißt es nur noch, die Strecke solle nach der Sanierung möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen bleiben — eine Formulierung mit deutlich mehr Spielraum als zuvor.
Für alle, die regelmäßig zwischen Koblenz, Mainz und dem Rheinland pendeln, bleibt also ein gemischtes Bild. Der Abschnitt Köln–Koblenz bekommt 2028 seine große Sanierung, das ist fix. Für die Strecke Koblenz–Mainz braucht es weiterhin Geduld — und genaue Beobachtung, wie die angekündigten Gespräche zwischen Bund, Bahn und Land tatsächlich ausgehen. Die Bundesgartenschau 2029 könnte dabei zum wichtigen Fixpunkt werden, an dem sich zeigt, wie ernst es der Bahn mit der Modernisierung der Bahnhöfe und der Strecke wirklich ist.
Bis dahin gilt: Wer öfter zwischen Rhein und Mosel unterwegs ist, kennt die Strecke sowieso in- und auswendig — mit allem, was dazugehört. Vielleicht wird sie ja schneller leiser, als mancher jetzt glaubt.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Antenne Koblenz
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.