
Letzte-Hilfe-Kurs in Koblenz: Am 2. November vermittelt die Handwerkskammer kostenlos Wissen zur einfühlsamen Begleitung sterbender Menschen und ihrer…
Über das Sterben spricht man nicht gern. Dabei betrifft es uns alle, irgendwann, auf die eine oder andere Weise. Vielleicht die eigenen Eltern, vielleicht den Partner, vielleicht einen Freund. Und dann steht man da und weiß nicht: Darf ich noch die Hand halten? Was sage ich noch? Was, wenn gar nichts mehr gesagt werden will? Genau für diese Fragen gibt es die Letzte-Hilfe-Kurse – und einen davon kann man im November in Koblenz besuchen.
Die Handwerkskammer Koblenz bietet in Kooperation mit dem Verein FOR YOU e.V. am Montag, 2. November 2026, von 16 bis 20 Uhr einen Letzte-Hilfe-Kurs an. Das geht aus einer Mitteilung der Handwerkskammer Koblenz hervor. Austragungsort ist die Verwaltungszentrale der Kammer, Friedrich-Ebert-Ring 33, in Koblenz. Kostenlose Parkplätze gibt es vor Ort, für Verpflegung ist gesorgt, und die Teilnahme kostet nichts. Wer dabei sein möchte, meldet sich per E-Mail an trauerbegleitung@hwk-koblenz.de an. Anmeldungen sind laut Handwerkskammer noch möglich.
Der Kurs gliedert sich in vier Module von je 45 Minuten. Es geht um die Frage, wie man Sterben erkennt und was im Sterbeprozess passiert. Um Vorsorge und Entscheidungen – Stichwort Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, ethische Fragen. Um das Lindern von Leiden, also Symptome, Ernährung und Mundpflege am Lebensende. Und um das Abschiednehmen selbst, mit Ritualen und dem Umgang mit Trauer. Vorkenntnisse braucht niemand, der Kurs richtet sich laut Veranstalter an alle Interessierten.
Entwickelt hat das Konzept der Palliativmediziner und Notarzt Dr. Georg Bollig mit seinem Projektteam. Wie der SWR berichtet, fand der erste Letzte-Hilfe-Kurs 2015 in Schleswig statt. Heute gibt es laut SWR bundesweit rund 6.000 Kursleitende, und das Format hat längst Grenzen überschritten: Nach Angaben der stellvertretenden Geschäftsführerin von Letzte Hilfe Deutschland, Filipa Sickmüller, existieren Kurse inzwischen in fast 20 Ländern. Was in Schleswig-Holstein begann, ist also auch bei uns in der Region angekommen – nicht als Eintagsfliege, sondern als festes Angebot.
Der SWR hat einen Letzte-Hilfe-Kurs in Trier begleitet und zeigt, worum es im Kern geht: um sehr konkrete, oft unbequeme Beobachtungen. Dass sich sterbende Menschen zurückziehen können. Dass sie Besuche ablehnen, das Interesse an Essen und Trinken verlieren, viel schlafen. Dass manchmal selbst Handhalten nicht mehr gewünscht wird – und Angehörige das aushalten müssen, ohne es persönlich zu nehmen.
Kursleiterin Ingrid Stork, Trauerbegleiterin in Trier, beschreibt laut SWR, wie sich der Atem verändert und wie belastend Atemaussetzer für Angehörige sein können. Ihre Kollegin Annika Robling, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Hospiz Trier, weist auf etwas hin, das viele nicht wissen: Der letzte Sinn, der beim Sterben bleibt, ist das Gehör. Deshalb der Rat, sich gut zu überlegen, welche Gespräche man am Bett eines sterbenden Menschen führt.
Der Kurs will, wie Stork es laut SWR formuliert, Menschen ermutigen, an der Seite der Sterbenden zu bleiben – statt sich aus Angst abzuwenden. Die Teilnehmenden in Trier kamen aus ganz unterschiedlichen Lebenslagen: manche begleiteten gerade einen schwer kranken Angehörigen, andere bereiteten sich auf eine Demenzerkrankung in der Familie vor, wieder andere hatten schon mehrfach Menschen bis zum Tod begleitet und suchten trotzdem nach Orientierung für schwierige Situationen.
Robling bringt es laut SWR auf den Punkt: Früher ist in den Familien gestorben worden. Das Wissen, wie man einen Menschen in seinen letzten Tagen begleitet, war einmal selbstverständlich – heute ist es vielerorts verloren gegangen, weil Sterben zunehmend aus dem Alltag verschwunden und zum Tabu-Thema geworden ist. Die Kurse wollen genau diese Lücke schließen und die Scheu nehmen, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen.
Ein Satz aus dem Trierer Kurs bleibt hängen: Es ist alles erlaubt, was Freude macht. Wenn jemand Ruhe will, soll man das akzeptieren. Wenn das Lieblingsessen gewünscht ist oder noch einmal ein Geburtstag gefeiert werden soll, dann ist genau das richtig. Entscheidend sei, in den letzten Tagen und Wochen jemanden an der Seite zu haben – jemanden, der es einfach gut meint.
Der SWR weist zudem auf praktische Unterstützung hin, wenn Menschen zu Hause sterben möchten. Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV, ermöglicht einen ambulanten Hospizdienst in den eigenen vier Wänden, mit Ärzten und Pflegekräften, die rund um die Uhr erreichbar sind. Viele kennen dieses Angebot laut Stork gar nicht. Auch dazu, und zu regionalen Anlaufstellen, zur Zeit nach dem Tod und zur Bestattung, liefert ein Letzte-Hilfe-Kurs Orientierung.
Man muss nicht selbst gerade jemanden begleiten, um aus so einem Kurs etwas mitzunehmen. Manchmal reicht das Wissen, dass man nicht allein ist mit der Unsicherheit – und dass es Menschen gibt, die genau dafür ausgebildet sind, einem diese Unsicherheit ein Stück zu nehmen. Wer sich für den Termin am 2. November in Koblenz interessiert, meldet sich bei der Handwerkskammer an. Und wer gerade nicht betroffen ist: Vielleicht ist genau das der richtige Moment, um sich trotzdem mit der Frage zu beschäftigen, wie man selbst einmal begleitet werden möchte.






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