
Der Kreis Neuwied ist gleichberechtigtes Mitglied im Regionalen Arbeitskreis Bonn geworden. Was die neue Kooperation für die Rhein-Mosel-Region bedeutet.
Manchmal reicht ein Federstrich, um Nachbarschaft neu zu ordnen. Am 8. Oktober 2026 haben Bonns Oberbürgermeister Guido Déus, der Rhein-Sieg-Kreis, der Landkreis Ahrweiler und der Landkreis Neuwied im Alten Rathaus in Bonn eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Das Ergebnis: Der Kreis Neuwied ist ab sofort gleichberechtigtes Mitglied im Regionalen Arbeitskreis Region Bundesstadt Bonn, kurz :rak. Vorher war er nur Gast am Tisch. Jetzt hat er eine feste Stimme.
Wer regelmäßig über die Rheinbrücken pendelt, zwischen Neuwied und Bonn, zwischen Mosel und Siebengebirge, der weiß: Verwaltungsgrenzen sind auf dem Papier klarer als im Alltag. Genau das greift die neue Vereinbarung auf.
Die Bundesstadt Bonn arbeitet im :rak bereits seit mehr als drei Jahrzehnten mit dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Landkreis Ahrweiler zusammen. Herausgekommen sind dabei handfeste Dinge: ein regionales Einzelhandelskonzept etwa, oder ein gemeinsames Siedlungsflächen- und Dichtekonzept. Keine Hochglanzpapiere für die Schublade, sondern Grundlagen, mit denen Kommunen tatsächlich planen.
Landrätin Cornelia Weigand aus dem Kreis Ahrweiler nannte den Arbeitskreis ein Musterbeispiel für lebendige Kooperation, die Erweiterung um den Kreis Neuwied ein klares Bekenntnis zu einer starken, gemeinsamen Zukunftsentwicklung der Region. Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster verwies darauf, dass Themen wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Flächenverfügbarkeit für Wohnen und Gewerbe sowie Klimawandel und Mobilität an Kreisgrenzen nicht Halt machen. Deshalb könne man sie auch nur gemeinsam angehen.
Landrat Achim Hallerbach aus Neuwied beschrieb den Beitritt als historisch wichtigen Schritt und verwies auf die engen Verflechtungen seines Kreises mit Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Landkreis Ahrweiler. Wie der NR-Kurier berichtet, sagte Hallerbach, man stärke und verstetige diese Beziehungen nun offiziell.
Auch Radio Bonn/Rhein-Sieg ordnet den Schritt ein: Kreis- und bundeslandübergreifende Zusammenarbeit sei heute wichtiger denn je, heißt es demnach aus Neuwied. Komplexer gewordene Planungs- und Entwicklungsvorhaben müssten längst aufeinander abgestimmt werden, statt an Verwaltungsgrenzen zu enden.
Der Arbeitskreis bekommt gerade noch aus einem anderen Grund Gewicht. Derzeit laufen Verhandlungen über eine Zusatzvereinbarung zum Berlin/Bonn-Gesetz, die bis Ende 2026 unterzeichnet werden soll. Bund, Länder und Region verfolgen damit das Ziel, Bonn langfristig als zweites bundespolitisches Zentrum Deutschlands zu sichern. Die beteiligten Kommunen und Kreise wollen ihre Interessen dabei geschlossen gegenüber dem Bund vertreten — mit Themen wie dem Ausbau Bonns als Standort für Bundesinstitutionen, internationale Organisationen und die Vereinten Nationen, dazu Cybersicherheit, Bevölkerungsschutz, Wissenschaft und internationales Konferenzwesen.
Auch Radio Bonn/Rhein-Sieg verweist auf diesen Zusammenhang: Der Beitritt des Kreises Neuwied falle mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zur Zusatzvereinbarung nicht zufällig in diese Zeit.
Parallel arbeiten die Kooperationspartner im Projekt „ZukunftsBundRegion“ an einem strategischen Regionalentwicklungskonzept, das über die Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hinausgeht. Es soll für die kommenden zehn bis 15 Jahre als Handlungsgrundlage dienen — auch um gemeinsam Fördermittel zu akquirieren, etwa für Mobilitätsprojekte.
Oberbürgermeister Déus sprach von gegenseitigem Vertrauen, Ehrlichkeit und Transparenz, die auch künftig leitend sein sollen. Klingt nach Verwaltungsdeutsch, meint aber etwas sehr Konkretes: Wer an einem Tisch sitzt, wird bei Entscheidungen gehört, die sonst über die eigene Grenze hinweg getroffen würden. Für den Kreis Neuwied heißt das: Wohnbauflächen, Gewerbegebiete, Mobilitätsprojekte, Klimafragen — all das wird künftig nicht mehr nur in Bonn, Siegburg oder Ahrweiler verhandelt, sondern mit Blick auf die gesamte Region, zu der Neuwied jetzt offiziell dazugehört.
Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht hinter der Unterschrift: Die Region Bundesstadt Bonn hört an der Landesgrenze nicht auf. Sie reicht bis ins Neuwieder Becken — und das wird jetzt auch auf dem Papier so stehen. Wer von hier aus pendelt, einkauft oder arbeitet, merkt solche Entscheidungen oft erst Jahre später — dann aber im Alltag, auf der Straße, im Bebauungsplan nebenan.






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