
Die Hofsammlung Korweiler zeigte im Mai Werke des kolumbianischen Malers Alfredo Piñeres aus Cartagena – seine erste Ausstellung in Deutschland überhaupt.
Korweiler ist kein Ort, den man auf der Kunstweltkarte erwarten würde. Und genau deshalb überrascht es, wenn hier im Mai kolumbianische Malerei zu sehen ist. Die Hofsammlung von Mecki und Andreas Dybowski in der Dorfstraße 9 öffnet ihre Türen für eine Ausstellung, die weit über die Eifel hinausreicht – bis nach Cartagena, an die kolumbianische Karibikküste.
Wer schon mal durch Korweiler gefahren ist, kennt das Gefühl: Ruhe, Weite, ländliche Gelassenheit. Dass ausgerechnet hier ein Maler aus einem Armenviertel Kolumbiens zum ersten Mal in Deutschland ausstellt, hat schon etwas Besonderes. Genau dieses Aufeinandertreffen macht die Ausstellung in der Kunstscheune so bemerkenswert.
Im Zentrum der Ausstellung steht Alfredo Piñeres, ein volkstümlicher Maler und Autodidakt aus Cartagena. Wie die Hofsammlung Korweiler in ihrer Ankündigung schreibt, hat Piñeres schon als kleines Kind angefangen zu zeichnen – seine Grundschullehrerin bat ihn damals, Dinge zu malen, die sie selbst nicht zeichnen konnte.
Piñeres stammt aus einfachen Verhältnissen. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt zunächst mit Wasserverkauf, trug Frauen die Einkäufe nach Hause und half als Handlanger einem Baggerfahrer aus. Später lernte er das Maurerhandwerk und stellte Vogelkäfige sowie Rattenfallen her. Der Rat seines Vaters begleitete ihn dabei durch all diese Jahre: Male, mein Junge, male, damit du mal ein großer Maler wirst.
1998 zeigte Piñeres seine Bilder zum ersten Mal öffentlich, bei einer Ausstellung in seinem eigenen Wohnviertel. Dort wurde er von Eduardo Hernandez entdeckt, dem Kurator des Museums für Moderne Kunst in Cartagena, der ihn zu einer Ausstellung im Museum einlud. Norma Uparela, Direktorin von ArtCartagena, erkannte ebenfalls sein Talent. Sie repräsentiert ihn seither und unterstützt ihn dabei, Ausstellungen zu organisieren und Einladungen zu größeren Veranstaltungen anzunehmen.
Piñeres malt das, was er kennt: seine Nachbarn, seine Familie, das Armenviertel mit seinen Gewohnheiten und Gebräuchen. Laut der Hofsammlung Korweiler übersetzt er in seinen Arbeiten die Botschaften des Glaubens und der katholischen Kirche in Bilder aus seiner unmittelbaren Umgebung – und gibt ihnen damit eine praktische, greifbare Bedeutung.
Bis heute lebt Alfredo Piñeres mit seinen Brüdern im Haus seiner verstorbenen Eltern, in einem Armenviertel von Cartagena. Er stellt weiterhin Vogelkäfige her und malt seine Welt. Außerhalb Kolumbiens hat er bereits in Guatemala, Panama und Florida ausgestellt, in seiner Heimat wurde er mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. Die Ausstellung in Korweiler war sein erster Auftritt in Deutschland überhaupt – und er war laut Ankündigung der Hofsammlung selbst vor Ort anwesend.
Die Hofsammlung Korweiler zeigte die Werke von Alfredo Piñeres im Mai an mehreren Wochenenden: am 4. und 5. Mai, am 11. und 12. Mai, am 18. und 19. Mai sowie am 25. und 26. Mai, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Wer die regulären Termine verpasste, konnte laut Ankündigung auch nach telefonischer Vereinbarung einen Besuch organisieren.
Neben Alfredo Piñeres gibt es noch einen weiteren kolumbianischen Künstler, der einen Blick wert ist, wenn man sich mit der Malerei des Landes beschäftigt: Guillermo Londoño Durana. Wie die spanischsprachige Wikipedia festhält, wurde der 1962 geborene Maler in Bogotá geboren und studierte Zeichnung bei José Luis Cuevas in Mexiko, bevor er 1987 seinen Bachelor of Fine Arts an der University of California, Berkeley, abschloss. Londoño nahm unter anderem am Salón Nacional de Artistas de Colombia teil, einem der bedeutendsten Kunstwettbewerbe des Landes. Seine Werke wurden weltweit ausgestellt, er lebte zeitweise in Berlin und ist besonders für seinen Einsatz von Farbe in Wolken und Hintergründen bekannt.
Londoño zeigt damit eine ganz andere Facette kolumbianischer Kunst als Piñeres: akademisch geschult, international vernetzt, mit Stationen zwischen Lateinamerika, den USA und Europa. Zwei Biografien, zwei völlig unterschiedliche Wege – und doch beide tief verwurzelt in Kolumbien.
Kunst braucht keine Großstadt, um zu wirken. Manchmal reicht eine Scheune in einem kleinen Ort an der Mosel, um Geschichten von einem anderen Kontinent erzählbar zu machen. Die Ausstellung in Korweiler hat gezeigt, wie unterschiedlich künstlerische Wege aussehen können – vom Wasserverkäufer aus einem Armenviertel in Cartagena bis zum akademisch ausgebildeten Maler mit Stationen in Berkeley und Berlin. Wer das nächste Mal an der Hofsammlung vorbeifährt, schaut vielleicht mit anderen Augen hin.






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