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Galeria erneut insolvent: Was das für die Koblenzer Löhrstraße bedeutet

Galeria ist erneut insolvent: Auch die Filiale in der Koblenzer Löhrstraße galt schon vorher als gefährdet. Was das für Stadt und Beschäftigte bedeutet.

Redaktion
·
7. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Schon wieder Insolvenz bei Galeria

Die Löhrstraße ohne Galeria – für viele Koblenzerinnen und Koblenzer kaum vorstellbar. Und doch rückt dieses Szenario wieder ein Stück näher. Die Warenhauskette hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Wie der SWR berichtet, ist das bereits das vierte Mal innerhalb von sechs Jahren, dass Galeria in finanzielle Schieflage gerät. Nach Informationen des Handelsblatts sind die Umsätze in den vergangenen Monaten massiv eingebrochen, ein erst im Juni gewährter Kredit über 160 Millionen Euro soll weitgehend aufgebraucht sein.

Der Geschäftsbetrieb in allen 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit, wie das Portal lessentiel.lu berichtet. Für die Beschäftigten bedeutet das trotzdem: bangen und abwarten. Rund 12.000 Menschen arbeiten bundesweit für Galeria, und ob sie Insolvenzgeld erhalten oder welche Standorte am Ende schließen müssen, ist bislang offen.

Koblenz stand schon vorher auf der Liste

Was die Sache für uns hier an Rhein und Mosel besonders macht: Koblenz gehörte schon vor diesem neuen Insolvenzantrag zu den gefährdeten Standorten. Laut SWR standen bundesweit bereits 33 Filialen auf der Kippe, darunter vier in Rheinland-Pfalz – neben Koblenz auch Mainz. Lessentiel.lu nennt zusätzlich Trier, Bad Kreuznach und Speyer als rheinland-pfälzische Standorte sowie eine Filiale in Saarbrücken. Durch den erneuten Insolvenzantrag könnte sich diese Liste nach Einschätzung des SWR nun noch einmal deutlich verlängern.

Was heißt das konkret für die Löhrstraße? Eine klare Antwort gibt es noch nicht. Galeria selbst macht laut lessentiel.lu auf Nachfrage keine näheren Angaben zu den Hintergründen des Antrags. Das Unternehmen betont lediglich, der Insolvenzantrag solle einen rechtlichen Rahmen schaffen, um die Lage zu ordnen, den Konzern zu stabilisieren und eine Perspektive für die Zukunft zu finden.

Ein Muster, das sich wiederholt

Wer die Geschichte von Galeria in den vergangenen Jahren verfolgt hat, kennt dieses Muster längst. Lessentiel.lu rekonstruiert den Weg dorthin: 2020, 2022 und 2024 gab es bereits Insolvenzanträge, jedes Mal mit Filialschließungen und Verzicht der Gläubiger auf Milliardenforderungen. Beim letzten Verfahren vor gut zweieinhalb Jahren, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, mussten neun von 92 Warenhäusern schließen. Ausgelöst wurde das Verfahren durch die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden, der Firmensitz wanderte von Essen nach Düsseldorf. Doch die Ruhe hielt nicht lange: Schon im April 2026 beklagten laut lessentiel.lu mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen, die Geschäftsführung sprach von Liquiditätsschwankungen und bat um Stundungen. Im Juni folgte dann die 160-Millionen-Kreditlinie der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers, abgesichert durch die Warenbestände und verknüpft mit einem dreijährigen Sanierungsplan, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern neu zu verhandeln.

Was Experten und Gewerkschaft sagen

Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms sieht die Entwicklung im Gespräch mit dem SWR als absehbar. Die aktuellen Investoren hätten keine glaubhafte Strategie für die Warenhauskette gehabt. Funder geht sogar noch weiter: Für einen Warenhauskonzern in der heutigen Form sehe er weder eine Fortführungsprognose noch einen Wettbewerbsvorteil im bestehenden Einzelhandelsumfeld. Seine Einschätzung: Das könnte das Ende des Warenhauskonzerns bedeuten.

Die Gewerkschaft ver.di wird noch deutlicher und spricht laut SWR von haarsträubenden Managementfehlern als Ursache der Krise. In den vergangenen Jahren seien durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Ver.di fordert schnelle Aufklärung darüber, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergeht.

Warenhäuser verlieren an Bedeutung

Die Zahlen zeigen, dass es sich nicht um ein reines Galeria-Problem handelt. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI, die lessentiel.lu zitiert, erzielte Galeria Karstadt Kaufhof 2019 mit 174 Filialen noch einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte das Unternehmen mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel sank laut EHI seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent – hier sind neben Galeria auch Ketten wie Müller und Woolworth eingerechnet.

Der gesamte Einzelhandel steht wegen schwacher Konsumstimmung und wachsendem Onlinehandel unter Druck. Der Kreditversicherer Allianz Trade registrierte laut lessentiel.lu zwischen Juni 2025 und Mai 2026 rund 2600 Insolvenzen im Einzelhandel – ein Zehnjahreshoch. Auch die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz schließen zahlreiche Filialen, die Deko-Kette Depot stellt den Geschäftsbetrieb komplett ein, und die Baumarktkette Hellweg wird abgewickelt. Der Handelsverband Deutschland prognostiziert, dass die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr auf unter 300.000 sinkt – Ende 2015 waren es noch rund 372.000.

Was jetzt zählt

Für die Löhrstraße und für Koblenz als Einkaufsstadt bleibt die Lage unübersichtlich. Klar ist nur: Der Fortbestand der Filiale ist nicht gesichert, und eine Entscheidung über die Zukunft der einzelnen Standorte stand zuletzt laut lessentiel.lu noch aus. Bis dahin bleibt vor allem eines übrig – abwarten und hinschauen, was aus einem Stück Koblenzer Innenstadt wird, das viele über Jahrzehnte als selbstverständlich wahrgenommen haben.

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