
EHC Neuwied gewinnt 3:0 gegen die Hammer Eisbären und feiert den ersten Oberliga-Sieg seit dem Comeback. Torhüter Mika Hennig glänzt mit Shutout im Icehouse.
Wer die Rückkehr des EHC Neuwied in die Oberliga verfolgt hat, kennt das Gefühl: Man wartet auf diesen einen Moment, an dem sich der Aufwand der ersten Wochen endlich auszahlt. Am Freitagabend war es so weit. Im heimischen Icehouse setzten sich die Deichstädter mit 3:0 gegen die Hammer Eisbären durch und feierten den ersten Sieg seit der Rückkehr in die 3. Liga. Für einen Aufsteiger, der laut den Verantwortlichen Carsten Billigmann und Jeffrey van Iersel bewusst ohne große Namen, dafür mit Laufbereitschaft und Kampfkraft antritt, ist das mehr als nur ein Ergebnis auf dem Papier.
909 zahlende Zuschauer verfolgten die Partie live vor Ort, weitere 249 schalteten im Stream auf SpradeTV zu. Damit bekam eine ordentliche Kulisse mit, wie sich Neuwied gegen den Sechstplatzierten der vergangenen Hauptrunde behauptete – und das, obwohl Hamm mit Mantas Stankius und Pontus Wernerson-Libäck zwei gesperrte Spieler ersetzen musste. Gästetrainer Tobias Stolikowski erklärte laut dem NR-Kurier, seine Mannschaft hätte ohne die Förderlizenzspieler nur mit zwei kompletten Reihen auflaufen können.
Der eigentliche Star des Abends stand zwischen den Pfosten. Mika Hennig, 18-jähriger Förderlizenzspieler der Jungadler Mannheim, feierte laut eishockey.net seinen ersten Shutout in der noch jungen Oberliga-Karriere. Besonders in der Schlussphase des zweiten und im dritten Drittel wuchs er über sich hinaus: In der 28. Minute parierte er eine Großchance von Christian Schiling, später hielt er gegen dieselben Gäste gleich mehrfach die Null fest – unter anderem in der 47. und 50. Minute gegen Schiling und Viktor Buchner. In der 52. Minute rettete zusätzlich Matteas Derraugh im eigenen Torraum, als Hennig bereits geschlagen war.
Selbst Hammer Trainer Stolikowski fand nach der Partie anerkennende Worte für den jungen Neuwieder Schlussmann und bezeichnete ihn als besten Mann auf dem Eis. Das zeigt: Wenn selbst der unterlegene Trainer den Gegner lobt, hat sich an diesem Abend defensiv einiges richtig zusammengefügt.
Die Führung fiel in der 17. Minute, als Adrian Kuhn einen Abpraller zunächst nicht verwertete, den eigenen Nachschuss aber konsequent zum 1:0 nutzte. Neuwied nahm den Schwung mit ins zweite Drittel und legte früh nach: In der 22. Minute leitete Mikka Dietzschold über die linke Außenbahn ein, Kevin Handschuh bediente Christian Sprez, der zum 2:0 einschob. Für Sprez, der als Topscorer bereits seinen vierten Punkt im dritten Saisonspiel verbuchte, bedeutete das zugleich den vereinsinternen Goldhelm für das kommende Auswärtsspiel.
Die Entscheidung fiel in der 55. Minute: Jason Struck schloss einen Doppelpass mit Tom Stumpe zum 3:0 ab und machte damit den ersten Saisonsieg endgültig perfekt. Auffällig dabei: Gleich mehrere Treffer und Vorlagen gingen auf das Konto von Spielern aus der Mannheimer Talentschmiede – ein Hinweis darauf, wie wichtig die Förderkooperation für Neuwieds Aufbau in dieser Spielzeit ist.
Nicht alles lief an diesem Freitagabend rund. In der 35. Minute verletzte sich Marcus Götz bei einem Zweikampf an der Bande, als ihn eine gegnerische Kufe an der Ferse traf. Eine Schnittwunde beendete seinen Einsatz vorzeitig. Erste Untersuchungen ergaben laut dem NR-Kurier, dass Bänder und Sehnen unbeschädigt blieben – zumindest in dieser Hinsicht durften die Deichstädter aufatmen.
Auf der Gegenseite blieb Neuwieds Kapitän Jeff Smith bei zwei gefährlichen Kontern ohne Ertrag. Einmal blieb ein Zweikampf mit Wladimir Bloch ungeahndet, beim zweiten Versuch war Gästetorwart Kyle Hagen zur Stelle. Insgesamt blieb die Fehlerquote auf Neuwieder Seite aber gering – auch das ein Grund, warum Trainer Jeffrey van Iersel im Nachgang die geschlossene Leistung aller 22 eingesetzten Spieler hervorhob, wie der NR-Kurier berichtet.
Auf der anderen Seite der Bande fiel die Analyse deutlich nüchterner aus. Tobias Stolikowski räumte ein, dass seine Mannschaft schwache Zuspiele zeigte und falsche Entscheidungen traf. Er stellte laut dem NR-Kurier klar, dass der Neuwieder Sieg vollkommen in Ordnung gehe. Wer als Aufsteiger einem etablierten Team aus der oberen Tabellenhälfte so einen Auftritt abringt, hat damit ein Ausrufezeichen gesetzt – nicht mit großen Namen, sondern mit Struktur und Geduld.
Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Für den EHC ging es bereits am Sonntag weiter, als die Bären bei den Saale Bulls Halle zu Gast waren. Ob sich der Schwung aus dem ersten Sieg mitnehmen ließ, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Fest steht: Wer in Neuwied auf dem Eis steht, kämpft nicht für sich allein, sondern für eine ganze Region, die ihrem Klub die Rückkehr in die Oberliga gegönnt hat. Und manchmal reicht eben nicht der große Name, sondern der lange Atem – genau der Atem, den man an der Mosel und am Rhein so gut kennt.






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