
Ministerpräsident Gordon Schnieder ist neuer Bopparder Ehrenwinzer. Ein Rückblick auf die Schwimmende Weinprobe, neue Weinhoheiten und das…
Wer hätte gedacht, dass ein Ministerpräsident am Ende eines Abends plötzlich Miteigentümer eines Weinbergs ist? Genau das ist Gordon Schnieder passiert. Bei der Großen Schwimmenden Weinprobe der Stadt Boppard ist er am Donnerstagabend, 1. Oktober 2026, zum Bopparder Ehrenwinzer ernannt worden. Mehr als 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Weinbau und Gesellschaft waren dabei, als Boppards Bürgermeister Jörg Haseneier gemeinsam mit Boppards Weinkönigin Rebekka Perll, Bacchus David Apel und Patenwinzer Rolf Bach die Auszeichnung überreichte.
Eigentlich sollte der Abend, seinem Namen entsprechend, schwimmend stattfinden — mit einer Schifffahrt auf dem Rhein. Weil der Pegel über Nacht weiter gesunken war, blieb die MS Loreley Star jedoch am Steiger liegen. Das Programm ließ sich davon nicht beirren: Die Gäste erlebten zehn ausgewählte Weine aus dem Bopparder Hamm und dem Mittelrheintal, dazu ein Vier-Gänge-Menü. Moderiert wurde der Abend von Julia Lambrich, ehemalige Deutsche Weinprinzessin, die gemeinsam mit den Winzerinnen und Winzern durch die Weinvorstellung führte.
Die Bopparder Ehrenwinzerwürde ist kein neues Format. Seit 1981 zeichnet die Stadt im Rahmen ihrer Großen Weinprobe Menschen aus, die eine besondere Nähe zu Wein, Stadt und Region zeigen. In der Liste der bisherigen Ehrenwinzerinnen und Ehrenwinzer stehen klangvolle Namen: der frühere Ministerpräsident Kurt Beck, der ehemalige EU-Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen, TV-Moderator Manuel Andrack und auch Julia Klöckner, Malu Dreyer, Roger Lewentz sowie Michael Ebling. Gordon Schnieder reiht sich nun in diesen Kreis ein.
Bürgermeister Jörg Haseneier erklärte, die Auszeichnung stehe für die Verbundenheit mit Boppard, dem heimischen Wein und der Kulturlandschaft am Mittelrhein. Mit dem Titel ist mehr verbunden als eine Urkunde: Schnieder gehört jetzt ein Quadratmeter Rebfläche im Bopparder Hamm, einer der besten Lagen am Mittelrhein. Jedes Jahr zum Bopparder Weinfest bekommt er zudem drei Flaschen Wein von Patenwinzer Rolf Bach — ein kleiner, aber beständiger Gruß aus der eigenen Lage.
In seiner Dankesrede würdigte Schnieder den Weinbau als wichtiges Kulturgut und richtete seinen Dank an die Menschen, die bei Sonne, Regen und schwierigen Bedingungen in den Weinbergen arbeiten. Er betonte außerdem die enge Verbindung von Weinbau und Tourismus für die Region und sprach mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 von einem Jahrhundertprojekt für das Obere Mittelrheintal. Die BUGA biete die Chance, Lebens- und Standortqualität nachhaltig zu stärken — Boppard spiele dabei mit der Umgestaltung des Rheinufers und den vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.
Im Mittelpunkt des Abends stand aber nicht nur die Ehrung. Elf Weingüter aus dem Bopparder Hamm und dem Mittelrheintal — darunter Toni Lorenz, Matthias Müller, August Perll, Walter Perll, Albert Lambrich, Lithos, Königshof, Gero Schüler, Goswin Lambrich, Eisenbach-Korn und Rolf Bach — präsentierten ihre Weine und zeigten, wie vielfältig die Region tatsächlich ist.
Die Ehrenwinzer-Zeremonie war nicht die einzige Krönung dieser Tage in Boppard. Schon bei der Eröffnung des Mittelrhein-Weinfestes, wie aktuell4u berichtet, wurde Rebekka Perll zur neuen Bopparder Weinkönigin gekrönt, David Apel übernahm das Amt des Bacchus. Die Krone blieb dabei in der Familie: Rebekka Perll erhielt sie von ihrer Schwester Viktoria Perll, die zuvor zwei Jahre lang als Bopparder Weinkönigin amtierte. Auch die Bacchus-Kette wechselte an diesem Abend den Träger. Bürgermeister Jörg Haseneier dankte Viktoria Perll für ihr Engagement und überreichte ihr einen Blumenstrauß.
Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Weinfeste in Boppard“ kommt den neuen Weinhoheiten eine besondere Rolle zu: Sie vertreten Boppard, den Bopparder Hamm und die Weintradition der Stadt künftig bei zahlreichen Veranstaltungen. Das Mittelrhein-Weinfest selbst ging anschließend noch bis zum 4. Oktober auf dem Bopparder Marktplatz weiter — mit Wein, regionalen Spezialitäten, Live-Musik und dem traditionellen Feuerwerk am Rheinufer. Der Eintritt war frei.
Das kennt ihr, oder? Dieses Gefühl, wenn ein Glas Wein aus der eigenen Region plötzlich mehr erzählt als nur seinen Geschmack — sondern auch von den Menschen, die ihn jahrein, jahraus pflegen. Egal ob am Steiger oder auf dem Rhein: Der Bopparder Hamm bleibt, was er ist, eine der prägendsten Weinlagen am Mittelrhein. Und manchmal reicht ein Abend mit zehn Gläsern, um daran zu erinnern, warum diese Region genau hier ihren Platz hat.






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