
EHC Neuwied dreht gegen die dezimierten Rostock Piranhas einen 1:3-Rückstand und gewinnt 4:3 im Icehouse. Alle Tore, Zahlen und Hintergründe zum Oberliga-Krimi.
Manchmal braucht es drei Drittel, um aus einem wackligen Start noch eine runde Geschichte zu machen. Im Icehouse Neuwied haben am Sonntagabend 938 Zuschauerinnen und Zuschauer genau das erlebt: Der EHC Neuwied lag gegen die Rostock Piranhas nach dem ersten Drittel mit 1:3 hinten und drehte die Partie am Ende doch noch zu einem 4:3-Sieg. Wer früh das Eis betritt und spät den Jubel hört — das war an diesem Abend die Devise der Neuwieder Bären.
Die Piranhas legten los wie die Feuerwehr. Schon nach rund zehn Minuten traf Jonas Öhrvall zum 0:1, kaum eine Minute später erhöhte Kevin Kunz auf 0:2, vorbereitet von Leon Häring und Fedor Kolupaylo. Neuwied fand zwar durch Tom Stumpe, auf Zuspiel von Christian Sprez und Lennart Esche, kurz vor der Drittelpause Anschluss zum 1:2. Doch Rostock hatte die Antwort parat: 40 Sekunden vor der ersten Pause nutzte Dante Hahn ein Powerplay zum 1:3, aufgelegt von Erik Hoffmann und Jonas Öhrvall. Mit diesem Zwischenstand ging es für den Aufsteiger denkbar unglücklich in die Kabine.
Dass Rostock überhaupt in dieser Verfassung antrat, war keine Selbstverständlichkeit. Wie Eishockey.net berichtet, reiste die Mannschaft stark dezimiert nach Neuwied: Gleich sieben Spieler fehlten den Piranhas, darunter die bereits länger verletzten Jesper Öhrvall, Reid Petryk, Erik Gollenbeck und Joey Luknowsky sowie weitere Schlüsselspieler, die krankheitsbedingt ausfielen. Schon beim 4:5 gegen die Hammer Eisbären zuvor hatte Rostock improvisieren müssen und sich dabei von einem 2:5-Rückstand noch einmal herangekämpft — ein Muster, das sich wiederholen sollte.
Im Mitteldrittel übernahm der EHC Neuwied zunehmend die Kontrolle. Jeff Smith verkürzte im Powerplay auf 2:3, bedient von Juuso Rajala und Kevin Handschuh. Danach blieb es bei diesem knappen Rückstand, auch wenn beide Teams sich im Verlauf der Partie immer wieder Strafzeiten einhandelten — am Ende standen für Neuwied 11 und für Rostock 15 Strafminuten zu Buche, darunter im Schlussdrittel sogar ein Faustkampf zwischen Jannick Stein und Robin Erkinjuntti.
Der Lohn für die Geduld kam im letzten Abschnitt: Philip Kecojevic glich mit Vorarbeit von Juuso Rajala und Jeff Smith zum 3:3 aus. Kurz darauf war es erneut Jeff Smith, der mit Unterstützung von Kecojevic und Rajala zum 4:3 traf und damit den Siegtreffer für die Neuwieder Bären markierte. Laut den von Hockeyweb dokumentierten Teamstatistiken kam Neuwied im Powerplay auf eine beeindruckende Quote von drei Toren aus vier Chancen, während Rostock nur einen seiner drei Versuche nutzen konnte — ein Unterschied, der am Ende den Ausschlag gab.
Dass der Aufsteiger aus Neuwied sich in dieser Saison so stabil präsentiert, hat auch mit seiner Kaderstruktur zu tun. Wie Eishockey.net einordnet, treffen im Team erfahrene Spieler wie Rajala und Smith auf Nachwuchskräfte aus dem DNL-Team der Adler Mannheim. Am Sonntag standen die Talente Mika Hennig, Jason Struck und Adrian Kuhn allerdings nicht zur Verfügung, da sie zeitgleich mit ihrer DNL-Mannschaft gegen Düsseldorf im Einsatz waren. Trotzdem reichte es für den EHC Neuwied, seine jüngste Form zu bestätigen: Vor dem Spiel gegen Rostock hatte die Mannschaft zwei ihrer vergangenen drei Partien gewonnen, darunter einen 3:0-Heimsieg gegen die Hammer Eisbären und zuletzt ein 5:4 in Erfurt.
Bei Rostock stach vor allem die Offensivreihe um Fedor Kolupaylo, Fleischmann und Kunz hervor, die laut Eishockey.net nach fünf Saisonspielen gemeinsam auf acht Tore und 22 Torbeteiligungen kam. Kolupaylo selbst ging mit zehn Scorerpunkten aus fünf Partien als punktbester Piranhas-Angreifer ins Spiel und trug entsprechend den Goldenen Helm. Auch das war an diesem Abend zu sehen: Rostock blieb über weite Strecken konkurrenzfähig, auch wenn am Ende die Kräfte und die Tiefe im Kader fehlten.
Besonders bemerkenswert: Für beide Vereine war diese Partie auch ein kleines Stück Eishockeygeschichte. Wie Eishockey.net berichtet, lag das letzte gemeinsame Pflichtspiel zwischen Neuwied und Rostock mehr als zehn Jahre zurück. Dass sich die Wege nun in der Oberliga Nord wieder kreuzten, gab der Begegnung im Icehouse eine zusätzliche Note — unabhängig vom Ergebnis.
Mit dem Sieg zieht Neuwied in der Tabelle der Oberliga Nord punktgleich mit Rostock auf neun Zähler und liegt nun auf Rang sechs, während die Piranhas auf Platz fünf abrutschen. Die Spitze hält weiterhin Tilburg mit 18 Punkten vor Hannover Scorpions und den Hammer Eisbären. Für beide Teams geht es nun darum, die Englischen Wochen der Oberliga zu nutzen, um sich im engen Mittelfeld der Liga weiter nach vorne zu schieben.
Was bleibt, ist ein Nachmittag im Icehouse, an dem der Rhein-Mosel-Nachwuchsverein einmal mehr gezeigt hat, dass er sich in seiner ersten Oberliga-Saison keineswegs verstecken muss. Wer hätte das vor der Saison gedacht?






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