
Neuwieds neue Stadthalle Deichherz füllt ihren Kalender: 150 Veranstaltungen pro Jahr sind das Ziel, von Konzerten über Galas bis zu Abibällen.
Wer in Neuwied unterwegs ist, kommt an einem Thema gerade nicht vorbei: dem Deichherz. Die neue Stadthalle steht, und jetzt zeigt sich, wofür sie eigentlich gebaut wurde. Nicht als stiller Zweckbau, sondern als Ort, an dem Neuwied zusammenkommt. Konzerte, Comedy, Galas, Messen, Abibälle, Vereinsfeiern — die Liste liest sich wie ein Querschnitt durch das, was eine Stadt im Jahr so braucht.
Jens Becker von der Neuwied Musik GmbH hat dafür ein klares Ziel formuliert: 150 Veranstaltungen pro Jahr sollen es werden. Das ist kein kleines Versprechen für eine Halle, die noch jung ist. Aber die ersten Monate geben Grund zur Zuversicht.
Im Deichherz haben bereits das Jubiläum „100 Jahre GSG“ und eine IHK-Prüfung stattgefunden. Zwei völlig unterschiedliche Anlässe, die zeigen, wie breit die Halle gedacht ist. Unternehmen und Institutionen haben weitere Termine gebucht oder angefragt, auch Messen, Firmen- und Schulveranstaltungen stehen auf der Agenda.
Für November und Dezember ist der Kalender schon gut gefüllt. Bekannte Formate aus dem früheren Heimathaus ziehen ins Deichherz um: die Springmaus, eine Gospel-Show und die beliebten Frühstücksbrunches, unter anderem mit Willy und Ernst sowie mit Marc Metzger als „De Blötschkopp“. Dazu kommt ein Auftritt der A-cappella-Band „Alte Bekannte“, die vielen noch unter ihrem früheren Namen „Wise Guys“ ein Begriff ist.
Am 3. Januar folgt ein Kölner Galaabend mit bekannten Größen des rheinischen Karnevals, bei dem auch die Neuwieder Ehrengarde wieder eingebunden wird. Nach Angaben von Becker bietet die Halle mit einer Kapazität von knapp 700 Besucherinnen und Besuchern Platz für hochwertige und zugleich publikumsnahe Programme. Das kennt man ja: Eine gute Halle lebt nicht nur von der Bühne, sondern davon, wie nah das Publikum dran ist.
Das Deichherz soll sich bewusst nicht auf eine einzige Veranstaltungsart festlegen. Veranstalter bekommen nach Möglichkeit Unterstützung aus einer Hand. Die Neuwied Musik GmbH entwickelt gemeinsam mit den Kunden individuelle Konzepte und stimmt Technik, Gastronomie und Ablauf auf die jeweiligen Bedürfnisse ab. Auch private Feiern sind grundsätzlich möglich.
Von der Fläche her ist die neue Halle mit dem früheren Heimathaus vergleichbar. Was neu dazukommt: moderne Technik, kurze Ladewege zur Bühne, ebenerdige Bereiche und zwei großzügige Foyers. Diese Kombination macht das Haus für sehr unterschiedliche Formate nutzbar. „Das Haus ist neu, modern und flexibel nutzbar“, sagt Becker.
Für 2027 liegen bereits zahlreiche Anfragen vor. Das Rhein-Wied-Gymnasium plant unter anderem, seinen Abiball wieder in Neuwied auszurichten. Laut Becker laufen derzeit viele weitere Gespräche. Weil der Eröffnungstermin der Halle zunächst nicht vollständig feststand, hatten einige Veranstalter für die Übergangszeit auf andere Lösungen ausweichen müssen. Jetzt rechnet Becker mit einer Belegung, die weiter steigt.
Geplant ist das Deichherz als Interimslösung für rund zehn Jahre. Oberbürgermeister Jan Einig stellt aber klar, wie die Stadt dazu steht: „Das Deichherz ist kein Provisorium, das wir irgendwie überbrücken müssen. Es ist für die kommenden Jahre unsere Stadthalle.“ Er betont, dass eine Halle nur dann wertvoll für eine Stadt ist, wenn darin tatsächlich etwas passiert, wenn Menschen zusammenkommen und unterschiedliche Gruppen das Haus nutzen. Genau das sei das Ziel im Deichherz. Gemeinsam mit den Stadtwerken sei die Halle in sehr kurzer Zeit auf die Beine gestellt worden, weil Neuwied schlicht eine Stadthalle gebraucht habe.
Auf der Kultur- und Freizeitseite der Stadt Neuwied findet sich das Deichherz inzwischen eingebettet in ein größeres Bild: Neben Musik, Kunst, Märkten, Brauchtum und Sport gehört die neue Halle jetzt fest zu den Orten, die das kulturelle Leben der Deichstadt ausmachen. Wer einen Überblick über alle Termine sucht, wird im städtischen Veranstaltungskalender fündig — dort stehen übrigens nicht nur städtische Veranstaltungen.
Am Ende geht es um etwas ziemlich Einfaches: einen Ort, an dem man sich trifft. Ob zum Brunch am Sonntag, zum Abiball im Sommer oder zur Gala im Januar — das Deichherz soll kein Haus für Spezialisten sein, sondern eines für alle. Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Kalender schon jetzt so gut gefüllt ist. Wer schon mal auf einer Veranstaltung im alten Heimathaus war, wird die neuen Formate im Deichherz mit anderen Augen sehen — vertraut und doch neu zugleich.






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