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BWZK-Neubau in Koblenz: Was hinter den 275 Millionen Euro steckt

BWZK-Neubau in Koblenz: Warum die Kosten von 221 auf 275,8 Millionen Euro stiegen und was das für den Zeitplan bis 2030 bedeutet.

Redaktion
·
9. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Ein Großprojekt mitten in Metternich

Wer auf dem Weg nach Metternich am Bundeswehrzentralkrankenhaus vorbeikommt, sieht seit Jahren eine Baustelle, die ihresgleichen sucht. Hier entsteht das neue Operations- und Funktionsgebäude des BWZK — mit 16 Operationssälen, Radiologie, Intensivmedizin, Zentralsterilisation und sogar einem Hubschrauberlandeplatz. Ein Projekt, das zeigt, wie viel medizinische Infrastruktur hinter den Kulissen eines Krankenhauses steckt. Und ein Projekt, bei dem es ums Geld geht — viel Geld.

Von 221 auf 275,8 Millionen Euro

Wie die Rechercheplattform 2halb3 News berichtet, wurden bei der Grundsteinlegung 2022 für den ersten Bauabschnitt 221 Millionen Euro Infrastrukturkosten genannt, dazu kamen 85 Millionen Euro für medizinisches Gerät. Heute weist der Bundesbau als zuständige Behörde 275,8 Millionen Euro genehmigte Baukosten für das OP- und Funktionsgebäude aus. Zwischen beiden Beträgen liegen rechnerisch 54,8 Millionen Euro beziehungsweise rund 24,8 Prozent.

Spannend dabei: Die Gebäudegröße hat sich in dieser Zeit praktisch nicht verändert. Schon eine Vergabe aus dem Jahr 2021 beschrieb das Gebäude mit rund 19.600 Quadratmetern Nutzungsfläche und 48.600 Quadratmetern Bruttogrundfläche — nahezu identisch mit den heutigen 19.800 beziehungsweise 48.500 Quadratmetern. Die große Flächenerweiterung des Projekts, von ursprünglich rund 32.860 Quadratmetern Bruttogrundfläche in der frühen Planungsphase auf die heutige Größe, war laut 2halb3 News also bereits vollzogen, bevor die 221 Millionen Euro überhaupt öffentlich genannt wurden. Die Mehrkosten lassen sich damit nicht einfach mit einem größeren Gebäude erklären.

Baupreise erklären einen Teil — aber nicht alles

Ein naheliegender Grund für steigende Kosten sind die allgemeinen Baupreissteigerungen. Der Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes für Bürogebäude stieg laut der Auswertung von 2halb3 News vom dritten Quartal 2022 bis zum zweiten Quartal 2024 um rund 9,3 Prozent. Würde man die ursprünglichen 221 Millionen Euro rein rechnerisch mit dieser Entwicklung fortschreiben, kämen rund 241,5 Millionen Euro heraus — die Bundeswehr selbst nannte aber bereits im Juni 2024 rund 275 Millionen Euro. Es bleibt eine Differenz von mehr als 33 Millionen Euro, die sich mit der allgemeinen Preisentwicklung allein nicht erklären lässt.

Ist der Quadratmeterpreis in Koblenz ungewöhnlich hoch?

Rechnet man die 275,8 Millionen Euro auf die Nutzungsfläche um, ergeben sich rund 13.930 Euro je Quadratmeter. Das klingt zunächst nach viel. Im Vergleich mit anderen aktuellen Klinikneubauten relativiert sich das Bild aber: Der Erweiterungsbau des Universitätsklinikums Frankfurt kommt nach den von 2halb3 News zusammengetragenen Zahlen auf etwa 13.355 Euro je Quadratmeter Nutzungsfläche, das Heidekreis-Klinikum auf rund 12.190 Euro, das Klinikum Memmingen auf etwa 14.320 Euro. Koblenz liegt damit in einer Größenordnung, die bei modernen, hoch technisierten Krankenhausbauten derzeit keine Seltenheit ist.

Hinzu kommt der technisch anspruchsvolle Baugrund: Der Bund beschreibt einen außergewöhnlich schwierigen und inhomogenen Untergrund, für den rund 490 Bohrpfähle mit teils bis zu 30 Metern Länge sowie etwa 400 Verpressanker nötig waren. Das sind plausible Kostentreiber — welcher Anteil der Mehrkosten konkret darauf entfällt, ist öffentlich aber nicht aufgeschlüsselt.

Wann wird fertig gebaut?

Auch beim Zeitplan gibt es offene Fragen. Der Bundesbau nennt als Bauende weiterhin November 2026, Simulationsbetrieb und Inbetriebnahme sollen 2027 folgen — so auch die Ankündigung der Bundeswehr aus dem Juni 2024. Gleichzeitig veröffentlichte der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung im September 2026 eine neue Ausschreibung für denselben ersten Bauabschnitt, deren geschätzte Ausführungsdauer erst im Mai 2027 beginnt und bis Dezember 2028 reicht. Das muss keine Verzögerung des Gesamtprojekts bedeuten, wirft aber die Frage auf, was „Bauende 2026“ inzwischen tatsächlich beschreibt.

Mehr als nur ein Gebäude

Wichtig für die Einordnung: Die 275,8 Millionen Euro betreffen nur das OP- und Funktionsgebäude. Die ursprüngliche Entwicklungsplanung für das gesamte Bundeswehrzentralkrankenhaus sah rund 40.000 Quadratmeter Nutzfläche in mehreren Baustufen vor. 2026 vergab der LBB laut 2halb3 News zudem die Fortschreibung dieser Entwicklungsplanung, und schon 2024 hatte die Bundeswehr erklärt, dass über OP-Gebäude und Energiezentrale hinaus weitere Bauabschnitte mit einem Investitionsvolumen von mehr als 700 Millionen Euro geplant seien. Die neue Energiezentrale allein soll rund 33 Millionen Euro kosten und versorgt künftig nicht nur den Neubau, sondern auch den bestehenden Krankenhausteil mit.

Was bleibt

Der Neubau in Metternich ist zweifellos ein teures Projekt — aber die reine Kostenhöhe liefert für sich genommen keinen Beleg für Verschwendung. Vergleichbare Klinikprojekte bewegen sich in ähnlichen Preisregionen. Offen bleibt laut 2halb3 News vor allem die Frage, wie sich der genehmigte Kostenrahmen von 221 auf 275,8 Millionen Euro konkret zusammensetzt — und welcher Termin für die vollständige Fertigstellung inzwischen tatsächlich gilt. Eine öffentlich nachvollziehbare Kostenfortschreibung mit Preisstand, Kostengruppen und Nachträgen liegt bislang nicht vor. Wer regelmäßig an der Baustelle vorbeifährt, hat also noch eine ganze Weile Zeit, sich an den Anblick der Kräne zu gewöhnen.

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