
Freibad Andernach erhält Bundesmittel zur Sanierung: Wir erklären, wie viel Geld fließt und was das Bundesprogramm für kommunale Sportstätten bedeutet.
Wer in Andernach groß geworden ist, hat vermutlich seine ersten Bahnen im Freibad gezogen. „Ons Schwemmbad“, wie es hier liebevoll heißt, gehört zu den Orten, die einfach zum Sommer dazugehören — genauso wie der Blick auf den Rhein oder der erste Eisbecher nach dem Baden. Jetzt gibt es Grund zur Erleichterung: Das Freibad Andernach bekommt Bundesmittel für seine Sanierung. Und das ist mehr als eine Randnotiz für die Lokalpolitik — es ist eine gute Nachricht für alle, die dieses Bad seit Jahren kennen und nutzen.
Für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder in Rheinland-Pfalz fließen aus einem Sonderprogramm des Bundes mehr als elf Millionen Euro ins Land. Das teilte die Staatskanzlei in Mainz mit, wie der Stern berichtet. Insgesamt profitieren zwölf Projekte im Land, darunter auch Vorhaben in Trier, Mainz, Worms — und eben in Andernach.
Konkret erhält die Sanierung des Freibades in Andernach nach Angaben des Stern eine Förderung von 306.848 Euro. Das mag im Vergleich zu den großen Posten — etwa dem Ersatzneubau des Hallenbades in Trier mit 3,5 Millionen Euro oder der Sanierung des Moselbads in Bernkastel-Kues mit rund 1,6 Millionen Euro — kleiner wirken. Für ein Freibad wie das Andernacher ist es aber ein handfester Baustein, um notwendige Arbeiten anzugehen, die sonst allein aus dem städtischen Haushalt gestemmt werden müssten.
Der Hintergrund: Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat über die Verteilung von Mitteln aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ entschieden. Für 2026 hat der Bund insgesamt 250 Millionen Euro für eine Förderrunde speziell für Schwimmbäder in knapp 200 Kommunen vorgesehen, wie die Staatskanzlei laut Stern erklärte. Nach der Auswahl kann für die ausgewählten Projekte nun das eigentliche Antragsverfahren beginnen.
Wer sich fragt, warum ausgerechnet jetzt Bundesgeld in kommunale Bäder fließt, findet die Antwort im offiziellen Projektaufruf des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, kurz BBSR. Der Deutsche Bundestag hat mit dem Bundeshaushalt 2025 in einer ersten Tranche 333 Millionen Euro für das neue Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ bereitgestellt. Die Mittel stammen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und sind auf sechs Jahre verteilt. Ziel ist es, den bestehenden Sanierungsstau bei kommunalen Sportstätten — dazu zählen ausdrücklich auch Frei- und Hallenbäder — abzubauen.
Das BBSR beschreibt die geförderten Projekte als solche von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Integration in der Kommune, verbunden mit Anforderungen an Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Gefördert wird laut Projektaufruf die umfassende bauliche Sanierung und Modernisierung von Sportstätten, wobei Bestandsgebäude grundsätzlich erhalten bleiben sollen. Ersatzneubauten sind nur die Ausnahme, etwa wenn sie sich nachweislich wirtschaftlicher darstellen als eine Sanierung.
Speziell für Freibäder nennt das BBSR zwei Stoßrichtungen: Maßnahmen für eine möglichst klimaneutrale Wärmeversorgung beziehungsweise einen höheren Anteil erneuerbarer Energien — und Maßnahmen, die den Einsatz von Ressourcen wie Wasser oder Chemikalien reduzieren. Wer schon einmal überlegt hat, wie viel Energie so ein Freibad eigentlich schluckt, bis das Wasser auf Temperatur ist, bekommt hier eine Ahnung davon, wo in Andernach angesetzt werden könnte.
Interessant ist auch der Blick auf die Finanzierungslogik hinter dem Programm. Laut BBSR beteiligt sich der Bund grundsätzlich mit bis zu 45 Prozent an den zuwendungsfähigen Gesamtausgaben, der kommunale Eigenanteil liegt entsprechend bei mindestens 55 Prozent. Kommunen in einer nachgewiesenen Haushaltsnotlage können bis zu 75 Prozent Bundesanteil erhalten — ihr Eigenanteil sinkt dann auf 25 Prozent. Der Bundesanteil pro Projekt bewegt sich zwischen mindestens 250.000 Euro und höchstens 8 Millionen Euro.
Das Verfahren selbst läuft in zwei Phasen ab: Zunächst reichen die Kommunen Projektskizzen ein, über die dann der Haushaltsausschuss des Bundestags entscheidet. Erst danach folgt die eigentliche Beantragung der Zuwendung. Für die aktuelle Förderrunde, aus der auch Andernach profitiert, ist genau dieser erste Schritt bereits gelaufen — jetzt kann das Antragsverfahren für die ausgewählten Projekte beginnen, wie es von der Mainzer Staatskanzlei hieß.
Zwölf Projekte in Rheinland-Pfalz, elf Millionen Euro insgesamt — und mittendrin ein Freibad, das für viele Menschen an Rhein und Mosel schlicht zum Alltag gehört. Das kennt ihr vielleicht: der erste heiße Tag im Jahr, die Founds am Beckenrand, das Gefühl, dass der Sommer jetzt offiziell begonnen hat. Damit das auch in Zukunft so bleibt, braucht so ein Bad eben mehr als nur frisches Chlor — es braucht Investitionen in Technik, Energieversorgung und Substanz.
Andernach ist mit seiner Fördersumme eines von vielen Beispielen dafür, wie Bundesmittel ganz konkret vor Ort ankommen — nicht als abstrakte Haushaltszahl, sondern als Baustein für ein Bad, in dem Generationen schwimmen gelernt haben. Wie es mit der Sanierung im Detail weitergeht, welche Arbeiten zuerst angepackt werden und wann das Bad wieder öffnet, das wird sich im Laufe des Antragsverfahrens zeigen. Bis dahin bleibt: Der nächste Sommer kommt bestimmt, und mit ihm die Hoffnung auf ein Freibad, das für die nächsten Jahre gerüstet ist.






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